Experimentelle Romane: gut lesbar und fesselnd

Experimentelle Romane: gut lesbar und fesselnd

Die Irin Sarah Crossan erzählt von einer Frau, die um ihren Geliebten nicht trauern darf. Der US-Amerikaner Percival Everett von einem Mann, der mit dem drohenden Verlust seiner Tochter umgehen muss. Beiden gelingt es, eine aufwühlende Geschichte ohne ...
28 Minuten

Beschreibung

vor 4 Monaten
Die Irin Sarah Crossan erzählt von einer Frau, die um ihren
Geliebten nicht trauern darf. Der US-Amerikaner Percival Everett
von einem Mann, der mit dem drohenden Verlust seiner Tochter
umgehen muss. Beiden gelingt es, eine aufwühlende Geschichte ohne
Klischees zu erzählen: in experimenteller Form. «Verheizte Herzen»
der irischen Autorin Sarah Crossan ist ein Roman über verschluckte
Trauer. Es geht um Ana, deren Geliebter vollkommen unerwartet
verstirbt. Und da niemand von ihrer Affäre wusste, kann Ana ihren
Kummer nun auch mit niemandem teilen. Das Besondere an «Verheizte
Herzen»: Der Roman ist durchgängig in Versform geschrieben. Dies
sorgt für einen peitschenden, atemlosen Rhythmus. Ein Leserausch,
findet Katja Schönherr, sobald man sich einmal auf dieses
ungewöhnliche Genre eingelassen hat. Zach Wells ist «Geologe –
Schrägstrich – Paläobiologe» und Universitätsprofessor. Und ein
zynischer Sonderling. Er führt eine mässig gute Ehe und verehrt
seine Tochter abgöttisch. Doch eines Tages stellt sich heraus, dass
Sarah, seine Tochter, unter dem sogenannten «Batten-Syndrom» leidet
– eine unheilbare und tödliche Krankheit, die zu rasanter Demenz
führt. Die Diagnose wirft Zachs Leben komplett aus der Bahn. Nicola
Steiner legt den Roman auf den Literaturstammtisch. Im heutigen
Kurztipp stellt Britta Spichiger «New York und der Rest der Welt»
vor. Geschrieben hat das Buch Fran Lebowitz – eine Kultfigur in den
USA. Von Andy Warhol in den 1970er Jahren entdeckt und dank der
Netflix-Serie «Pretend Its a City» nun weltweit bekannt. Lebowitz
schreibt mit scharfer Beobachtungsgabe, bitterbösem Humor und ohne
Berührungsängste über viele Facetten des Lebens. Alles, was unsere
Konsumgesellschaft heute beschäftigt – Selbstoptimierung,
Köperkult, Eitelkeit und Angeberei – beobachtet sie in «ihrer»
Stadt New York schon lange. Buchhinweise: * Sarah Crossan.
Verheizte Herzen. Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch. 260
Seiten. Kiepenheuer und Witsch, 2022. * Percival Everett.
Erschütterung. Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. 290 Seiten.
Hanser Verlag, 2022. * Fran Lebowitz. New York und der Rest der
Welt. Aus dem Englischen von Sabine Hedinger und Willi Winkler. 350
Seiten. Rowohlt Berlin, 2022.

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