Hat Corona zu einem Kneipensterben geführt, Herr Klein?

Hat Corona zu einem Kneipensterben geführt, Herr Klein?

Sachsens Dehoga-Chef Axel Klein im Gespräch über den Effekt von Lockerungen, die Bilanz aus zwei Jahren Pandemie und die Folgen des Ukrainekrieges für die Gastronomie.
40 Minuten
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Beschreibung

vor 7 Monaten
Seit dem 3. April können Restaurants in Sachsen wieder ohne den
Nachweis von Impf- oder Testzertifikaten besucht werden. Auch das
Tragen von Masken ist nicht mehr verpflichtend. Die Branche atmete
auf, als diese Lockerungen in Kraft traten. Doch gab es auch den
erwünschten Effekt? Im CoronaCast bei Sächsische.de blickt Axel
Klein, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen
(Dehoga), mit gemischten Gefühlen auf die aktuelle Lage. "Der
Optimismus ist wieder da, es gibt Umsätze und die Abhängigkeit der
Unternehmen von Hilfen sinkt", sagt Klein. Das Ostergeschäft, das
pandemiebedingt in den vergangenen Jahren größtenteils ausgefallen
war, habe einen Schub gebracht. Dass der Infektionsschutz jetzt in
den meisten Alltagsbereichen in die Verantwortung jedes Einzelnen
übergegangen sei, begrüße Klein. "Das soll nicht heißen, dass wir
Schutzmaßnahmen kritisieren", stellt er allerdings klar. Nach wie
vor sei es geboten, dass man sich schütze. Das gelte für Gäste wie
Unternehmer. "Es nützt ihm [dem Gastwirt] schließlich auch nichts,
wenn alle Mitarbeiter krank zu Hause sind." Der entscheidende
Unterschied sei nun, dass Gastronomen ihre Hygienekonzepte an die
jeweilige Infektionslage und ihre räumlichen Bedingungen anpassen
könnten, statt pauschale Regeln umsetzen zu müssen. Von einem
anhaltenden Aufschwung im weiteren Verlauf des Frühjahrs und im
Sommer ist Klein überzeugt. Die langfristige Perspektive bereitet
dem Branchenvertreter jedoch Sorgen. Die Liste der
Herausforderungen ist lang: Die Pandemie hat das Personalproblem in
der Branche verschärft, weil mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter
gegangen sind. Zudem hätten viele Unternehmen Schulden angehäuft
und stünden aufgrund der sich jetzt ändernden Zinspolitik vor
ungewissen finanziellen Hürden. Klein warnt: "Das Kneipensterben
wird schleichend weiter gehen." Dass bei all diesen Vorzeichen die
zu erwartende Coronalage im Herbst unklar sei, spiele auch eine
Rolle. Noch mehr aber: "Der Krieg in der Ukraine und die
Auswirkungen auch auf unser Land und Versorgungsengpässe. Das
trifft natürlich auch unsere Unternehmen." In Anbetracht steigender
Kosten für Lebensmittel und Energie sagt Klein: "Es wird
Preisanpassung geben. Wir werden aber nicht alles umlegen, das ist
klar." Damit Restaurantbesuche künftig trotzdem für möglichst viele
Einkommensklassen erschwinglich bleiben, wirbt der Dehoga-Chef für
eine Verlängerung des gesenkten Mehrwertsteuersatzes in der
Gastronomie. Infolge der Pandemie wurde dieser von 19 auf sieben
Prozent gesenkt - vorerst bis Ende 2022. Außerdem Themen in dieser
Folge: - Wie die Gastronomie der Personalknappheit begegnet - Wie
höhere Preise zu einem mehr Qualitätsbewusstsein führen kann - Wie
Sachsens Hotel- und Gastrobranche Flüchtlingen aus der Ukraine
hilft Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf
aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen
ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.

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