Frida Kahlo - warum nur ist sie die berühmteste Künstlerin der Welt?

Frida Kahlo - warum nur ist sie die berühmteste Künstlerin der Welt?

46 Minuten
Podcast
Podcaster
Der Kunstpodcast mit Florian Illies und Giovanni di Lorenzo

Beschreibung

vor 9 Monaten
In der neuesten Ausgabe des Podcasts "Augen zu" diskutieren Florian
Illies und Giovanni di Lorenzo auf gewohnt kontroverse und
leidenschaftliche Weise über die Rolle Frida Kahlos in der Kunst
des 20. Jahrhunderts. In allen Umfragen wird Kahlo zur berühmtesten
Künstlerin der Welt gewählt – und vor allem für junge Frauen ist
ihre Lebens- und Leidensgeschichte ein Vorbild an weiblichem self
empowerment. Diese Frau ließ sich einfach nicht unterkriegen, nicht
von ihrem tragischen Verkehrsunfall mit 18 Jahren, der sie zu
Monaten im Bett, 32 Operationen und einem lebenslangen Schmerz im
Rücken und Becken verdammte. Nicht von der patriarchalischen
Gesellschaft, nicht von den snobistischen Surrealisten und nicht
von ihrem Ehemann, dem Maler Diego Rivera. Frida Kahlo malte sich
ihren Schmerz von der Seele – und zwar ganz buchstäblich: Fast ein
Drittel ihres Gesamtwerkes machen Selbstportraits aus, in denen sie
stolz ihr markantes, wunderschönes Gesicht und ihre mexikanischen
Gewänder zelebrierte. Aber zugleich ist auch das Leiden
allgegenwärtig in diesen Bildern, der Schmerz, der wie Feuer
brennt, das blutende Herz, die Stange, die sich mit 18 Jahren durch
ihr Leben gebohrt hatte, der Mann, Diego, der ihr wie ein drittes
Auge auf der Stirn thront. Eine Frau malt um ihr Leben. Kann man
Kahlo, die so gelitten hat, vorwerfen, wenn sie sich in ihrer Kunst
zur Märtyrerin stilisiert? Kahlos stolzer Feminismus und ihr
selbstbewusstes Changieren zwischen den Geschlechtern machen sie zu
einem der größten Idole unserer Gegenwart. Sie hatte unzählige
Affären mit Männern wie mit Frauen, mit Leo Trotzki ebenso wie mit
Josephine Baker, und mit ihrem Oberlippenflaum erinnerte sie nicht
nur an den mexikanischen Revolutionsführer sondern auch an die
Kraft der fluiden Geschlechtlichkeit. Im Podcast "Augen zu" von
ZEIT und ZEIT ONLINE treten immer Experten auf, die mit Florian
Illies und Giovanni di Lorenzo in Dialog treten – bei Frida Kahlo
ist es Lisa Zeitz, Chefredakteurin der "Weltkunst", die erklärt,
warum Kahlos malerische Selbsterfahrungstrips vor allem für junge
Frauen eine so große Anziehungskraft besitzen. Es scheint
paradoxerweise so, als würde gerade das Strenge und Starre ihrer
Selbstportraits besondere Empathie auslösen. Kahlo gilt als die
erste Frau, die die Malerei in ein Medium des intimen Geständnisses
verwandelt hat, das war bei Paula Modersohn-Becker doch noch viel
gedämpfter, bei Meret Oppenheim viel verrätselter, bei Lotte
Laserstein viel dezenter. Angesichts der großen Symbolik ihrer
Figur als einzigartigem Role Model und den Zentnern von Pathos, die
auf ihrem Werk liegen, gerät die Frage nach der Qualität der
Malerei von Frida Kahlo immer wieder in den Hintergrund. Und doch
versucht "Augen zu" darüber zu diskutieren: Also worin denn
eigentlich der spezifische Wert ihrer Kunst gelegen haben könnte –
und ob sie wohl in 100 Jahren immer noch zu den wichtigsten
Künstlerinnen der Kunstgeschichte gezählt werden wird. Kahlos Kunst
wurde lange Zeit immer auf ihre Naivität reduziert, mit der sie die
Volkskunst und die religiöse Votivmalerei in den Dreißiger- und
Vierzigerjahren in die Malerei ihrer Zeit überführte. Ortrud
Westheider jedoch, Direktorin des Museum Barberini in Potsdam und
zuvor Kuratorin einer großen Kahlo-Ausstellung im Bucerius-Forum,
weist als zweite Expertin im Podcast auf eine zusätzliche, oft
übersehene Quelle hin: Kahlo war im New York der Dreißigerjahre in
Kontakt mit allen wichtigen europäischen Kunstströmungen, die in
den zeitgenössischen Ausstellungen zu sehen waren, und sie bezog
zentrale Anregungen etwa von der Neuen Sachlichkeit aus Deutschland
oder Giorgio de Chirico aus Italien. Und was hat sie daraus
gemacht? Also aus all dem, was sie gesehen, und all dem, was sie
erlitten hat? Malerei, die uns heute so wenig in Ruhe lässt und
herausfordert wie ihre Zeitgenossen vor fast hundert Jahren. Sie
erreichen den Podcast mit Anregungen und Fragen über die
E-Mail-Adresse augenzu@zeit.de.

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