#194 Ich wollte mal als BWLer das Franchising des Weihnachtsmannes erläutern, vorwiegend die Geldmittel für die lange "Sommerpause". Wurde dann aber abgelenkt und nun gibt es eine Rezession von "No Time To Die" (ACHTUNG! SPOILER ALARM!!!)!

#194 Ich wollte mal als BWLer das Franchising des Weihnachtsmannes erläutern, vorwiegend die Geldmittel für die lange "Sommerpause". Wurde dann aber abgelenkt und nun gibt es eine Rezession von "No Time To Die" (ACHTUNG! SPOILER ALARM!!!)!

Der ichbindochnichthierumbeliebtzusein.com PodCast
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vor 4 Monaten
Ich wollte mal als BWLer das Franchising des Weihnachtsmannes
erläutern, vorwiegend die Geldmittel für die lange "Sommerpause".
Wurde dann aber abgelenkt und nun gibt es eine Rezession von "No
Time To Die" (ACHTUNG! SPOILER ALARM!!!)!


Ist es nicht eine Herausforderung, den Job des Weihnachtsmanns,
oder Christkind, wie er im Süden der Republik genannt wird,
näher zu betrachten? Einen ganzen Tag im Jahr arbeiten, sonst
nur Urlaub oder zumindest keine weiteren öffentlichen
Auftritte? Man könnte meinen, es hört sich nach Jens Spahn an,
aber den hat man, trotz aller Unkenrufe, schon mal gesehen.
Gemäß dem Fall, es gibt ihn: wie kommt man mit so einer
Arbeitseinstellung, erst recht in selbstständiger Position, nur
um die Runden? Und ist es Franchise oder doch ein One-Man-Job?
Und wo verbringt er dann die Sommerpause oder ist das Zeit für
Strategie, Umsetzung und Neukonstruktion von Spielsachen? Ihr
merkt schon, nicht nur das finanzielle ist spannend, auch
Geschäfts- und Einkommensmodelle. Aber dann musste mir
amazon eine Mail schicken, dass der neue und zugleich letzte
Craig-Bond nun für knappe fünf Euro für 48 Stunden ausgeliehen
und angesehen werden kann. Tja, danke für mein Geschenk und die
Ablenkung, Weihnachtsmann, betrachten wir dein Geschäftsmodell
eben nächstes Jahr um die Zeit. Und widmen wir uns lieber
wichtigen Dingen, unter anderem einer Rezension von "No Time to
Die". ALLERLETZTE WARUNUNG: SPOILER-ALARM! DURCHGEHEND!
AB HIER!
James Bond 007 No Time to Die - digital bei Amazon zur Leihe
verfügbar / Bild-/Quelle: amazon.de

Für ebenso Kurzentschlossene: BluRay, DVD, 4K-Version
und Online-Leihversion als Link.


Wir haben lange darauf gewartet - und mir hat die lange
Wartezeit und die immer neuen Termine den Spaß auf den letzten
Craig-Bond und irgendwie, vor Brosnan als 007, auf die gesamte
Bond-Reihe ganz schön verhagelt. Blind und vor Profitgier hat
man mehrere Drehs der wichtigen Sponsoren-Artikel, die im Film
sonst fast schon den Status eines alten Sammlerobjektes gehabt
hätten, durchgeführt. Und den Termin der Premiere immer und
immer und immer und noch mehr verschoben.


Aber: wenn schon mal durchsickert, dass Bond am Ende sehr
heroisch stirbt, muss man sich die Zeit nehmen und mal
reinsehen. Also, hier der Plott:


Bond, fest verliebt und in Händen nur einer hübschen Frau, ist
im Ruhestand. Bei einem Besuch des Grabes seiner großen Liebe,
um mit selbiger abzuschließen, jagt ihn Spectre in die Luft.
Und ja, der unsägliche Walz, dessen schlechtes Schauspiel nur
durch seine noch schlechtere Selbst-Synchronisation getoppt
wird, geht uns hier zumindest keine 15 Minuten und das
dankbarer Weise auch noch am Stück auf den Sack.


Nachdem er Sekunden später zu sich kommt, wird ihm klar: Falle.
Und das auch noch von seiner Liebsten! Und schon geht die erste
brillante Schießerei los. Wirklich brillant ist auch seine
Reaktion, immer noch leicht taub durch die Explosion, auf den
Schuss in die Schulter:  so reagieren wir normale
Menschen, wenn uns eine Mücke sticht: kurz überraschter Blick,
keine Miene verzogen aber kurzes Zucken durch den Körper und
weiter gehts!


Dank dem guten alten und entsprechend ausgestatteten Austin
wird erst mal aufgeräumt und weiter gehts. Die Stunts sind
unglaublich und unrealistisch wie eh und je, halten einen aber
entsprechend bei Laune. Apropos: gibt es außer Austin, Rang
Rover und Jaguar überhaupt andere Autos in dem aktuellen Film?


Dann verabschieden wir uns von seiner Liebsten - und schwenken
in ein geheimes Labor um die geheime Waffe, die die Welt
wahlweise zerstören oder dem Bösen die Weltherrschaft übergeben
wird, kennenzulernen: Heracles. 


Die Wirkung lernt Bond nebst einer dreiwöchig angelernten
CIA-Fachkraft kennen: bis auf Blofeld, der immer noch in London
im Kittchen sitzt, wird so seine komplette Spectre-Mannschaft
ausgelöscht. Und: so lernt Bond dann auch die neue 007 kennen.


Dann kommt noch der alte Freund Felix Leiter vom CIA ins Spiel
- der diesen Auftrag nicht überleben wird. Wohl aber sein neuer
Partner, der als Verräter seine Finger im Spiel hat. 


Und so geht es im Konvoi erst mal wieder zurück nach London, um
dort, bei einem Besuch von Blofeld, seine Liebe wiederzusehen.
Blöderweise klebt immer noch Heracles an ihm und auch von
seiner Liebschaft holt er sich eine neue Dosis ab, so tötet er,
wenn auch fast unabsichtlich, seinen Bruder. Puh, bye, bye
Walz! Möge der richtige Film nun endlich beginnen!


Und ja, nun erfahren wir die Details des Labors und der Waffe.
Nur soviel: Nanobots, die ins Blut gehen und je nach DNA
anfangen, Leben zu vernichten oder einfach weiter zu
schlummern. Blöd ist eben nur, dass diese Bots durch Berührung
weiter gegeben werden und dann plötzlich mit dem Töten
loslegen... eine ausweglose Situation für den, der sie nun in
sich trägt. Man weiß eben nie, auf welche DNA sie denn dann
programmiert sind... oder... doch?


Ach so, ach ja, auch wenn sie es ihm nicht sagt, er weiß es:
Bond hat also auch eine Tochter mit ihr, wer es nicht glauben
will, beachte die blauen Augen! 


Dann kommen ein paar irre Verfolgungsjagden und schon ist seine
Liebe wieder weg... nebst Kind. Das kann Bond nicht auf sich
sitzen lassen, rächt jetzt am Verräter den Tod von seinem
CIA-Kumpel.


Damit sind alle Sitekicks erledigt, nun kommt der Endgegner:


Und dann der Auftritt des Bösewichts: Lyutsifer. Als ich ihn
sah, und jedesmal, wenn ich ihn sah, hörte ich die magischen
Akkorde: I see a little silhouetto of a man, Scaramouch,
Scaramouch, will you do the Fandango! Thunderbolts and
lightning, very, very frightening me, Galileo, Galileo,
Galileo, Galileo, Galileo, Figaro - magnificoo....!!!


Was für eine grandiose Fehlbesetzung, und das neben der
grandios schlechten Darstellung von Walz! Auch wäre der Film
wohl gute 15 Minuten eher vorbei, hätte man seine Sprechrolle
nicht auf eine alte 78er aufgenommen, die dann als 33er
abgespielt wurde. Wow, ist das Kunst oder kann das weg?


Und, wie immer, vom Vater enttäuscht und schlimmeres, baut er
auf einer Insel zwischen Nirgendwo und Japan Pflanzen an, die
die Steigerungsform von "giftiger" verdienen. Und hat sich,
quasi als Hobby, auch noch das Heracles-Projekt geschnappt und
weiterentwickelt, nur um Bond und seine Liebste für immer zu
trennen.


Und dafür fast zwei Stunden fünfundvierzig Minuten
Kinounterhaltung.


Es kommt, wie es kommen muss: Er kriegt seine 007 zurück,
technische Gadgets am Limit der Realität, dann krabbelt er
völlig entspannt in die Basis und zu zweit geht es gehen eine
Herrschaft von Armeen. Auf Umwege kommt er an den Bösen ran,
der ihn nun auch wieder mit neuen Nanobots infiziert, die auf
die DNA seiner Liebsten und seines Kindes programmiert sind.


In Verzweiflung und dank dem klassischen Bond-Realismus sieht
er nur einen Ausweg: Statt in letzter Sekunde die Insel zu
verlassen, opfert er sich, um Frau und Kind ein stressfreies
Leben ohne Angst gewährleisten zu können.


Noch kurze warme Worte im MI6-Hauptquartier zu seinem Tod, ein
Gläserklirren beim stilechten Anstoßen und mit einer
Kamerafahrt über London ist es fest vorbei. Schnitt in einen
weiteren Austin zu lebendiger Frau und Kind - und aus.


 


Nun zu meiner Filmkritik:
Den Machern war die umfangreiche Action zu Anfang so wichtig,
dass es fast 24 Minuten dauert, bis der nichtssagende,
langweilige und sehr digitalisierte Vorspann endlich abläuft.
Die Musik ist totaler Schrott, das zweite Mal in der Bond-Saga,
dass sie bei einem Blindtest nicht sofort nach drei Akkorden
dem Film zugeordnet werden könnte. 


Die Story ist hanebüchen, wie immer bei Bond, die besuchten
Orte dürften sich bereits oder mit der nächsten Corona-Pause um
Touristenzulauf freuen.
Allerdings hatte ich bei vielen Aufnahmen in Kuba das Gefühl,
von den Autos, die eher Ostniveau statt 60er-Jahre US-Flair
mitbringen bis zu der künstlich noch weiter runter
gewirtschafteten Armengegend, dass es sich hier um reine
Kulisse handelt. 


Sonst lässt die Action wenig zu wünschen übrig. Während
unsereins wohl schon kopfüber am Seil hängend die Gebäudefront
nicht überlebt hätte, beweist Craig als Bond des Öfteren seine
Härte, wenn er angeschossen wird und verwirrt reagiert, wie
unsereins, wenn wir den Mückenstich am Unterarm live
miterleben.


Dass der letzte Bond nun die Enden der vier vorhergehenden
Folgen zusammenbringen und entsprechend seine Verletzlichkeit
und seinen Beziehungswillen nach oben spült, war zu erwarten.
Dass er Vater ist, war dem Zuschauer auf Basis der blauen Augen
sofort klar, auch wenn der Held noch zaudert.


Den Freddy-Mercury-Darsteller aus Bohemian Rhapsody zum Bösen
zu machen und ihm, statt den Mercury-Dreizahn-Überbiss nun eine
Geschichte des gemeinen Vaters, der auch an ihm ein wenig
experimentiert hat, anzudichten, hilft nicht, um von dem
Ohrwurm aus dem zuvor benannten Song abzulenken - und das JEDES
MAL, wenn er in die Kamera rutsch. Was für ein Fail, diese
Besetzung!


Ja, es ist Corona, ja es gibt Einschränkungen, aber so
drastisch hätte man es uns nicht zeigen müssen!


Und, eines muss man mir erklären: Auf Kuba wird Bond von
Spectre auf deren Party in eine Falle gelockt, während von oben
die sabotierte Nanobot-Soße auf ihn herab gesprüht wird.
Trotzdem braucht es, obwohl bekannt war, dass er und seine
zukünftige Witwe den unsäglich von Walz gespielten und
runtergerotzt-hinsynchronisierten Blofeld besuchen gehen, noch
eine zweite Nanobot Dosis, die sich indessen die Herzensdame
als Parfüm auf die Armgelenke sprüht? WHAT?


Auch hätte ich noch Fragen zu der Plattform, auf der Freddy
sitzt, mit Bonds Tochter, die quasi mit dem Schuss von Bond
sofort eine Klappe öffnet, die beiden verschlingt und die
Platte Lichtgeschwindigkeits-gleich wieder schließt... War das
eine Falltür? Oder Japans schnellste Springplattform? Aber gut,
wer fragt bei Bond schon nach Realismus, erst recht, wenn
Nanobots sich durch selbstständigen Abgleich der Wirts-DNA und
einer Ziel-DNA munter durch die Welt verteilen? Aber... auch
hier eine Frage: Wäre denn ein Großteil der Welt infiziert, wie
würden denn die Nanobots, quasi aus der Ferne, in den Millionen
und Milliarden von Menschenkörpern auf dem Planeten auf ein
neues Ziel programmiert?


Und leider, wenn auch einmalig in der Saga der Bond-Serie,
stirb unser Held am Ende. Nicht angeschossen - wobei, doch -
sondern durch vom ihm beauftragtem Raketenabschuss. Heroisch.
Am Ende. Verletzt. Und verletzlich. Hamlet-gleich, direkt um
Millimeter am Fokus der Kamera vorbei monologisierend in seinen
Ohrstöpsel. Und mit einem Abgleich der Augenfarben ist es
vorbei - Einschlag der Raketen, der plötzlich schmerzfreie Tod.
Ende mit den Nanobots, die Welt ist gerettet. Wobei nein, wohl
wieder ein Filmfehler - eine Person trägt noch welche in sich
und verbreitet die nun munter durch die Welt...


Nun alles auf Anfang und Mutter und Tochter sitzen im Austin
und brausen die kurvigen Straßen dem Abspann entgegen - einzig
unterbrochen durch eine würdig-kurzgehaltene
Verabschiedungsszene im MI5-Hauptgebäude.


Vorbei, die Ära Craig-Bond.


Schade! Irgendwie wird er mir fehlen. Kritisiert für seine
Härte, was aber Bond zur damaligen Zeit - sind es wirklich
schon 15 Jahre? - endlich in die Neuzeit katapultiert und die
Filmreihe in neue Höhen befördert hat... bleibt nur spannend,
die sich wohl noch endlos in die Länge ziehende Diskussion zum
Thema "Wer wird der nächste Bond" aufgelöst zu bekommen. Das
nächste enttäuschende und nervige Thema um die aktuelle
Bond-Saga.


Nach Sichtung einer weiblichen PoC-007 im aktuellen Film hoffe
ich doch, dass es wieder altbewährt in der Männerwelt einen
Treffer gibt. Klar, hat man hier eine überspitze Zeichnung und
viel Schmollen und Missgunst eingebaut - aber wenn das die
ausschlaggebenden Merkmale von Bond Komma weiblich Komma
Hauptdarsteller sein sollen, bin ich definitiv raus! 


Würde mich auch nicht wundern, wenn man es bewusst überzeichnet
hat, nur um die Reaktionen der, vor allem männlichen Zuschauer,
testen zu können. Von mir: zwei dicke Daumen runter. Wenn dies
das britische Agentenbild der Frauen ist, sollte 007 mit Bond,
der es im Dienst glatt noch zu Nachwuchs gebracht hat, ein
würdiges Ende finden! Da sehe ich eher die Zeit von Moneypenny
gekommen, die hat man meiner Meinung nach schon ein wenig, mit
Spruch und Schuss, für diese Aufgabe in Stellung gebracht.


Schließlich hat auch eine weibliche M der ganzen Saga einen
ganz neuen Stil eingehaucht!


Aber das werden wir abwarten müssen - und auch, wie tief amazon
sich hier in künftige Produktionen und deren Vermarktung
einmischt! Für mich ist die Zukunft von Bond und 007 erst mal
unklar, die Luft raus und der Hype verflogen - eben WEIL man es
unbedingt so spannend machen muss.


Auch bin ich gespannt, wie man uns dann abholt... schließlich
gab es so ein Ende, bei dem wir Zuschauer wurden, noch
nie! 


Damit findet meine Enttäuschung mit falscher Gegenspielerwahl,
einer unfassbar dämlichen Quoten-007 und schon wieder dem Walz,
einen neuen Höhepunkt!


Trotz einer gewissen, wenn auch Corona-geschuldeten,
Ideenlosigkeit im Drehbuch als auch dann noch das Typische an
Bond, den Vorspann, so zu verhunzen und uns 24 Minuten darauf
warten zu lassen, um uns dann auch noch mit grauenvoller Musik
abzuspeisen... nicht die besten Zeichen für den letzten Teil!


Ich muss aber gestehen: die größte Enttäuschung, als jemand,
der die Bond-BluRay-Box zu Hause hat und somit jederzeit auf
alle Bond-Filme zurückgreifen kann, ist in mir und einzig und
allein: dass die Daniel-Craig-007-Ära nun zu Ende ist! Und das
auch noch wirklich und endlich.


Aus meiner Sicht wird es für den Nachfolger schwierig, in die
großen Fußstapfen zu treten... wenn wir denn jemals erfahren,
wer es denn werden wird...!


 
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