Wirtschaftsnews vom 15. Dezember 2021

Wirtschaftsnews vom 15. Dezember 2021

Wirtschaftsnews

Beschreibung

vor 1 Jahr

Thema heute:   

Strafrechtskino

 


 


Zigtausende von Jurastudenten haben sich durch
Strafrechtsklausuren mit den absurdesten Fallkonstellationen
gequält, die zu Bauchmerzen führen konnten. Man war sich nie
sicher, ob eine Textpassage als Irreführung gedacht war und
einfach nur als plastische Darstellung.



Wenn jemand am Badestrand von einer Kugel ins Herz getroffen
wurde und es einen Hinweis darauf gab, dass er sich grade umzog,
könnte das ein Hinweis darauf sein, dass die Kugel durch ein
Kleidungsstück ging, was zusätzlich als Sachbeschädigung zu
bewerten wäre, aber beim Strafmaß des Tötungsdeliktes unerheblich
wäre. Aber es ist gut, wenn man es erwähnt! Der jurastudentische
Blick auf Filme führt hingegen oft zu anderen Bauchschmerzen. Da
werden Leute angeblich wegen Mordes verhaftet, mangels Haftbefehl
ist es aber in Wirklichkeit eine Festnahme und ob es ein Mord ist
oder vielleicht ein Totschlag oder sogar nur fahrlässige Tötung,
ist auch noch zu klären.

Prof. Dr. Christian Fahl ist Inhaber des Lehrstuhls für
Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der
Universität Greifswald. Er hat sich in dem 2021 erschienenen Buch
„Strafrechtskino: Kino- und Fernsehfilme als Klausur“ zehn
berühmte Kinofilme vorgenommen und diese nach unseren deutschen
Strafrechtsregeln bewertet. Zu den behandelten Fällen gehört
unter anderem „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie. Diesen
Film dürfte fast jeder kennen. Meisterdetektiv Hercule Poirot (P)
muss hier herausfinden, wer den betrügerischen Kunsthändler
Ratchett ( im Fall als R bezeichnet) in seinem Abteil mit
mehreren Messerstichen getötet hat. Im Verlauf der Ermittlungen
von Poirot stellt sich heraus, dass mehrere der Anwesenden ein
Motiv haben und auch zugestochen haben.

R hat in der Vergangenheit ein Kind entführt und ermordet.
Daraufhin erlitt dessen Mutter eine Fehlgeburt, bei der sie
verstarb, woraufhin der Vater Selbstmord beging. Eine
Mitreisende, A, war Kindermädchen, B die Gouvernante, C ein
Kamerad des Vaters, D der Butler, E der ermittelnde Polizist und
F der Sohn des Staatsanwalts im damaligen Fall.  Welcher
Stich tödlich war, ob ein einzelner oder die Summe mehrerer, kann
nicht mehr mit Sicherheit geklärt werden. Hercule Poirot ließ die
Täter übrigens ungestraft davonkommen. „Strafrechtskino:
Kino- und Fernsehfilme als Klausur“ von Prof. Dr. Christian Fahl
ist übrigens im C.H.Beck Verlag erschienen, hat 187 Seiten und
kostet 14,90 €. Lesenswert und unterhaltsam sind
übrigens alle behandelten Fälle.  

 


 


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