Formel 1 in Saudi-Arabien: eine kritische Auseinandersetzung

Formel 1 in Saudi-Arabien: eine kritische Auseinandersetzung

47 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Seitdem Liberty Media bekanntgegeben hat, dass sie mit der Formel 1
ein Rennen in Saudi-Arabien veranstalten wollen, ist gerade bei
unserem Moderator Kevin Scheuren ein großer innerlicher Konflikt
ausgebrochen. Einerseits ist es ein spannender neuer Ort für den
Sport, den wir so lieben. Auf der anderen Seite ist Saudi-Arabien
durch die politischen Begebenheiten ein sehr kritisch zu
betrachtender Staat, der auf Demokratie, freie Wahlen,
Meinungsfreiheit und freies gesellschaftliches Leben keinen großen
Wert legt. Sehr lange haben wir überlegt, wie wir über die Premiere
der Formel 1 in Saudi-Arabien berichten wollen. Es wäre unserer
Meinung nach falsch, wenn wir einfach nur über den Sport reden und
so tun, als ob es den anderen Aspekt nicht gibt. Deshalb haben wir
es aufgeteilt. In der heutigen Episode wird es nicht um den Sport
an sich gehen, aber doch um den Sport und die Kraft, die von ihm
ausgeht. In dieser Folge werden wir einen Exkurs in die Strukturen
Saudi-Arabiens machen, über Menschenrechte, Konflikte, Probleme,
aber auch Chancen sprechen. Wir begrüßen euch herzlich zu einer
kritischen Auseinandersetzung mit Saudi-Arabien! MBS - die große
Unbekannte? Um diesem Thema den verdienten Rahmen zu geben, hat
sich Kevin zwei echte Experten eingeladen. Ronny Blaschke,
Journalist und Buchautor (hier direkt sein Buch "Machtspieler -
Fußball in Propaganda, Krieg und Revolution" kaufen), ist seit
Jahren journalistisch in der Golfregion aktiv. Er schreibt über die
verschiedenen Machthaber und ihre Einflüsse, deckt Fälle des
Sportswashing auf und hat einen kritischen Blick auf eine Region,
die als Krisenregion zu verstehen ist. Ebenfalls zu hören ist der
Islamwissenschaftler und politische Analyst Sebastian Sons (hier
direkt sein Buch "Auf Sand gebaut: Saudi-Arabien - Ein
problematischer Verbündeter" kaufen) vom Center for Applied
Research in Partnership with the Orient, der bereits mehrere Male
in Saudi-Arabien war, Land und Leute kennengelernt hat und einen
wissenschaftlichen Fokus auf die Entwicklung des Landes und der
Familie rund um Kronprinz Mohammed bin Salman legt. Generell ist
die Rolle von MBS eine interessante. Einerseits ordnet er die
Ermordung des regimekritischen Journalisten Jamal Khasoggi an, auf
der anderen Seite holt er Fußballspiele, Tennisturnier,
Wrestling-Events und eben ein Formel 1-Rennen ins Land, um sich der
westlichen Welt zu öffnen. Wie passt das alles zusammen in seinem
Land, das zerrüttet ist und durchtrieben von gesellschaftlicher
Unterdrückung und Armut, Angst und Repression, Hoffnung und
Wünschen? Der Sport als Propaganda-Werkzeug und Hoffnungsstifter
Man kann davon ausgehen, dass ein Formel 1-Rennen seitens der
Königsfamilie mit seiner Strahlkraft, dem Glanz und Glamour für die
eigenen Zwecke genutzt werden wird. Für ein paar Tage rücken die
Fragen nach Menschenrechte, Rechte von Frauen im öffentlichen
Leben, Diversität und Co. in den Hintergrund. Aber in der Kritik am
Regime haben auch wir häufig den Effekt solcher Events auf die
Menschen vergessen zu beleuchten. In den Gesprächen mit Ronny
Blaschke und Sebastian Sons ist genau das passiert und sie werfen
einen Blickwinkel auf, der vielleicht zu lange nicht berücksichtigt
wurde. Haben sich die Menschen vor Ort diese Sportevents nicht auch
verdient? Wir alle erhoffen uns von den Fahrern und der Formel
1-Organisation ein Zeichen. Sei es der Helm von Lewis Hamilton, ein
Shirt von Sebastian Vettel oder auch das reine Benennnen der
Probleme im Land. Aber wir dürfen nicht erwarten, dass der Sport
die Strukturen auf links dreht, das kann er auch gar nicht. Aber
man kann zurecht Hoffnung in die Zukunft legen, dass die Formel 1
mit ihrer Strahlkraft im Kleinen für einen positiven Wandel sorgt
und mit den Menschen im Land in Kontakt tritt. Aktionen an Schulen,
in den armen Gebieten und der Austausch mit denen, die unterdrückt
werden und hoffen, dass sich was ändert - das kann man erwarten und
das sollte es auch geben! Die Rolle des Sportjournalismus an diesem
Wochenende Keine Frage: dieser Podcast wird die Welt nicht
verändern. Aber wir hoffen, dass möglichst viele Kolleg*innen aus
dem Sportjournalismus diese Ausgabe hören und während ihrer Zeit
vor Ort die Fragen stellen, beobachten, mahnen und den Finger in
die Wunden legen. Der Sportjournalismus darf sich nicht dahinter
verstecken, dass Sport und Politik nicht vermischt werden sollten.
Sport und Politik gehören seit Anbeginn der Zeit zusammen und so
sollte es auch von den Journalist*innen gelebt werden. Keine Angst
vor dem Verlust von Zugängen haben, kein Ignorieren und kein
Wegschauen, auch nicht im Sportjournalismus - das ist unser Wunsch!
Diese Ausgabe ist keine klassische Rennvorschau. Diese Ausgabe soll
informieren, aufklären und neue Sichtweisen präsentieren, aus denen
wir alle lernen können. Wir tun das auch, hinterfragen Vorurteile
und ändern diese auch. Ja, dieses Rennwochenende ist eins, das mit
Blutgeld bezahlt wurde und dem Sportswashing dient. Aber dieses
Rennwochenende ist auch eine Chance. Eine Chance dafür, dass die
Formel 1 den Stein ins Rollen bringt und den Menschen im Land, die
es nötig haben, Hoffnung spendet. Nächste Woche werden wir über das
Sportliche sprechen, werden Stimmen vom Veranstalter haben und
mehr, aber einstweilen wünschen wir euch viel Spaß mit der heutigen
Ausgabe. Schreibt uns gerne, was ihr von diesem Podcast heute
haltet! Euer Feedback ist uns wichtig Schickt uns gerne für die
nächsten Sendungen eure WhatsApp-Sprachnachricht an folgende
Nummer: +49 331 298 50 28 GANZ WICHTIG: bitte sendet an diese
Nummer NUR SPRACHNACHRICHTEN ein und beginnt eure Sprachnachricht
mit den Worten STARTING GRID und eurem Namen, damit das zugeordnet
werden kann! Bitte haltet die Sprachnachrichten bei maximal 1:30
Minute, danke euch. Ihr könnt uns über verschiedene Kanäle
erreichen und mich anderen F1-Fans in Verbindung bleiben: Instagram
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