Alexander Filipovic über Ethik in den Medien | Podcast Ethik DigitalAlexander Filipović über die Ethik der Plattformen und die Zukunft des Journalismus

Alexander Filipovic über Ethik in den Medien | Podcast Ethik DigitalAlexander Filipović über die Ethik der Plattformen und die Zukunft des Journalismus

Medienethik und digitale Ethik
37 Minuten
Podcast
Podcaster
Digitale Ethik in Gesellschaft - Podcast von Rieke Harmsen und Christine Ulrich

Beschreibung

vor 10 Monaten

Wie kommt die Ethik in die Medien - und welche Veränderungen
erlebt die Medienbranche durch die Technologie? Damit beschäftigt
sich der Medienethiker und Sozialethiker Professor Alexander
Filipovic. Ein Sonntagsblatt-Podcast von Rieke C. Harmsen und
Christine Ulrich.
Ethik in Medien

Professor Alexander Filipović, geboren 1975, ist Sozialethiker
mit dem Schwerpunkt Medienethik, Technikethik (Digitale Ethik),
Politische Ethik und Philosophischer Pragmatismus. Er war an der
Hochschule für Philosophie in München und ist jetzt an der
Universität Wien.


Das gesamte Interview gibt es auch als Video und
Text: https://www.sonntagsblatt.de/ethikdigital


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Rückfragen und Anregungen zum Podcast bitte an Chefredakteurin
Rieke C. Harmsen: rharmsen@epv.de


Ausschnitt aus dem Gespräch:


Warum sollten wir Medienethik betreiben?


Filipović: Menschen haben sich immer schon Gedanken darüber
gemacht, was die Veränderung von Gesellschaft, Medien und Technik
mit öffentlicher Kommunikation macht oder mit der Art und Weise
miteinander zu kommunizieren. Darüber wurde immer schon wertend
oder normativ nachgedacht. Also im Zuge der Aufklärung zum
Beispiel, aber auch im Zuge der Erfindung der Drucktechnik. Dann
spielten die Dynamiken der Entwicklung im Medienbereich eine
große Rolle. Die Einführung der elektronischen Medien, die in den
1920er und 1930er-Jahren kamen. Und im späten 19. Jahrhundert die
Fotografie. Wir können uns kaum vorstellen, welche Veränderung
der Erinnerung und der Kommunikation die Fotografie ermöglicht
hat. Marshall McLuhan hat dann die technische Dimension
thematisiert und philosophisch-wissenschaftlich eingebracht. Und
seitdem Zeitpunkt ging das natürlich immer weiter. Jeder
technische Wandel und vor allen Dingen der Wandel hin zum
Internet hat dann neue normative Probleme geschaffen, die aber
auch normative Probleme der Gesellschaft sind.


Sind Journalisten heute noch Gatekeeper für Informationen?
Filipović: Erst mal glaube ich, dass das, was Journalistinnen und
Journalisten täglich machen, immer noch das Auswählen von
Berichtenswertem ist. Sicherlich hat das noch jemand anderes
zuvor getwittert oder ein Bild auf Instagram gemacht, das ist
auch klar. Die Nachrichten, die heute von Journalistinnen und
Journalistenen geschrieben werden, sind auf den Plattformen jetzt
neu sortiert durch Algorithmen und es ist KI mit im Spiel sowie
unsere Personendaten. Aber letztlich sind es eben auch
Journalistinnen und Journalisten, die das machen.


Die Funktion des Gatekeepers gibt es immer noch und sie ist immer
noch bedeutsam und wichtig. Aber es vervielfältigt sich eben.
Heute können auch Influencer entscheiden, was "trending topic"
ist. Insofern gibt es eine Vervielfältigung von Gatekeepern.


In den guten alten Massenmedien hatten wir Zeit. Das hat sich
verändert. Journalisten sind immer noch verantwortlich für
Inhalte. Aber jetzt gibt es eben auch algorithmisch kuratierte
News-Webseiten, die da mitspielen. Und da ist die Frage nach der
Verantwortung ein bisschen komplexer.
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