Vom Zuckerrohr zu Plastikkulturen. Andalusiens Landwirtschaft 1992 und 2021

Vom Zuckerrohr zu Plastikkulturen. Andalusiens Landwirtschaft 1992 und 2021

25 Minuten
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Mit dem Mikrofon rund um die Welt. Das ist die spannende Aufgabe, die sich unseren Autor*innen stellt. Um dann in unserem Podcast "Zwischen Hamburg und Haiti" zu erzählen, wie nahe und ferne Länder klingen, was die Menschen dort berichten, wie sie lebe...

Beschreibung

vor 2 Monaten
1992 war Einar Schlereths Reportage ein Abgesang auf den Anbau von
Zuckerrohr in Andalusien. Heute wachsen im Süden Spaniens andere
Früchte für ganz Europa. Von Einar Schlereth und Reinhard
Spiegelhauer Moderation: Juliane Eisenführ Als Einar Schlereth 1992
in Andalusien unterwegs war, konzentrierte sich der Tourismus mehr
noch als heute auf die Region westlich von Málaga. Nach
Torremolinos und Marbella kamen damals schon Heerscharen von
Gästen. In die einsamen Berge der Alpujarras verirrten sich nur
wenige Wanderer - und auch ihnen, so berichtete es Einar Schlereth,
fiel kaum auf, dass es weiter unten, Richtung Küste, große
Zuckerrohrfelder und Fabriken mit schlanken, hohen Schornsteinen
gab. Bis 1992 wurde in Andalusien Zuckerrohr angebaut, dann endete
eine Tradition, die 900 Jahre vorher von den Arabern systematisch
begründet wurde. Geblieben ist bis heute die Liebe der Andalusier
zu Zuckerzeug. Museum in Motril errinert an Zuckerrohranbau
Reinhard Spiegelhauer, ARD-Korrespondent in Madrid, sieht nicht
selten selbst in der viel weiter nördlich gelegenen Hauptstadt
Spaniens erwachsenen Männer mit Lollis im Mund... An den
Zuckerrohranbau in Andalusien erinnert heute vor allem ein Museum
in der Hafenstadt Motril. Einar Schlereth erlebte 1992 dessen
Aufbau - und besuchte die letzte Zuckerrohrfabrik Europas im nahen
Salobreña kurz bevor auch sie geschlossen wurde. Die
Arbeitsbedingungen, die ihm damals die Männer schilderten, die mit
ihren Maultieren das Zuckerrohr ernteten, waren hart; Arbeitszeiten
von 7 Uhr früh bis 21 Uhr am Abend waren die Regel. Viel zu
verdienen war nicht - aber es waren Jobs in der Heimatregion. An
den schwierigen Bedingungen in der andalusischen Landwirtschaft hat
sich bis heute nicht viel geändert, ergänzt Reinhard Spiegelhauer.
Heute: Plastik-Gewächshäuser in Region Almería Heute sind es vor
allem die Plastik-Gewächshäuser in der Region um Almeria, in denen
Gurken, Tomaten, Paprika und vieles mehr für ganz Europa wächst. In
diesem gigantischen "mar de plástico" arbeiten heute auch viele
Migranten aus Afrika. Der Wasserverbrauch steigt und steigt dabei -
in der Landwirtschaft und in Andalusiens zweitem wichtigen
Wirtschaftszweig: dem Tourismus. Er hat in Andalusien immer mehr an
Bedeutung gewonnen. Nachhaltiger, qualitativ hochwertiger - also
hochpreisiger - Tourismus - ist ein Ziel andalusischer Politik.
Doch Reinhard Spiegelhauer ist skeptisch, ob so eine Zukunft mit
Wohlstand erreicht werden kann. Im früheren "Armenhaus" Spaniens
ist zwar die Not nicht mehr so groß wie einst - doch nirgends im
Land ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie hier - in der riesigen,
schönen Region im Süden der spanischen Halbinsel.

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