Der Celebrity Boykott Mk 10,46b–52

Der Celebrity Boykott Mk 10,46b–52

2 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat

„Celebrity“ nennt man auf Englisch (und Neudeutsch) eine bekannte
Persönlichkeit von großem öffentlichen Interesse. Mich lässt das
Wort an eine „gefeierte“ Persönlichkeit denken, die ein etwas
künstlicher Raum der Verehrung umgibt.


Auch Jesus scheint ein solcher Raum zu umgeben als er auf dem Weg
nach Jerusalem durch Jericho kommt. Ein blinder Bettler hört von
ihm und schreit sich die Seele aus dem Leib: „Sohn Davids, Jesus,
hab Erbarmen mit mir!“ (Mk 10,47)


Die Umstehenden fahren ihn an, er solle schweigen. Der Schrei
nach Jesus stört. Er stört das feierliche Empfinden und das Bild,
das die Leute sich vom Verehrten machen.


Der Schrei nach Jesus hat es in der Kirche bis heute schwer. Die
einen halten ihn für eine frömmelnde Bigotterie. Für andere
erschöpft sich die Ansprache Jesu in Formeln und Gebeten, die
weder von Herzen kommen noch zu Herzen gehen. Wieder andere sind
selbst so sehr mit Gerede und Streit beschäftigt, dass der Ruf
nach dem Erbarmen Jesu überhört wird.


„Ruft ihn her!“, trägt Jesus denen auf, die gerade noch die
Celebrity-Zone aufrecht erhalten wollten. Das macht die Kirche
aus: dass der Ruf der Armen nach dem rettenden Erbarmen Gottes
vernehmbar und gehört wird – und dass ihnen die Antwort Jesu
ausgerichtet wird: „Hab nur Mut, steh auf, er ruft Dich!“


Er „warf seinen Mantel weg“, sagt Markus. Fast nackt findet der
Blinde hörend zu Jesus.


Eine „Celebrity“ ist nicht nur eine gefeierte Persönlichkeit. Sie
ist auch eine Projektionsfläche, in der jeder sieht, was er gerne
möchte. Der Blinde kommt nackt und ohne Jesus zu sehen, um von
ihm gesehen zu werden und sehen zu lernen.


Das ist die Chance der noch Blinderen, die den Blinden gerade
noch zum Schweigen bringen wollten, damit er ihr Bild nicht
stört: dass sie durch den Blinden ihre Blindheit erkennen und mit
ihm zum Sehen kommen.


Fra' Georg Lengerke

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