Genetische Information im digitalen Zeitalter: Der Streit um das Nagoya-Protokoll

Genetische Information im digitalen Zeitalter: Der Streit um das Nagoya-Protokoll

Mit Anna Deplazes Zemp von der Universität Zürich
44 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Sind digitale Informationen über Gen-Sequenzen eine natürliche
Ressource - ja oder nein? Diese Frage verhandeln die Vereinten
Nationen gerade vor dem Hintergrund des Nagoya-Protokolls. Das
Ergebnis dieser Verhandlungen wird Folgen haben für Forschung und
Entwicklung, wie auch für die globale Gerechtigkeit, denn
möglicherweise muss bei der Nutzung digitaler genetischer
Information ein Ausgleich an jene Länder erfolgen, aus denen die
Organismen stammen, um deren Gene es dabei geht. Damit soll
einerseits der Schutz der Artenvielfalt gestärkt und andererseits
der Ausbeutung des globalen Südens durch die Industrienationen
entgegengewirkt werden. Fängt man aber einmal an, das Konzept der
natürlichen Ressource digital zu denken, stößt man schnell auf
Widersprüchlichkeiten und für alle Beteiligte unvorteilhafte
Konsequenzen, die offenbar schon vor der Digitalisierung in den
Begriffen angelegt waren – ein schwer lösbarer Konflikt, der
angesichts der rasant fortschreitenden Nutzung und Verwertung
digitaler Gen-Daten eine schnelle und faire Lösung verlangt. Anna
Deplazes Zemp ist Philosophin und Molekularbiologin. Sie forscht
und lehrt an der UZH in Zürich zu Fragen von Bio- und
Wissenschaftsethik. Im Digitalgespräch erklärt sie das Konzept
digitaler genetischer Ressourcen, den Hintergrund der Verhandlungen
zum Nagoya-Protokoll und die große Aufgabe, vor der die
Verantwortlichen dabei stehen. Mit den Gastgeberinnen Marlene
Görger und Petra Gehring diskutiert sie an eindrücklichen
Beispielen die Schieflagen des Konzepts einer „digitalen
natürlichen Ressource“, die dringenden Gerechtigkeitsfragen, die
davon betroffen sind und welche Überlegungen in die Erarbeitung
einer Lösung einfließen müssten, die tatsächlich die gemeinsamen
Ziele erreicht: Schutz und nachhaltiger Umgang mit Artenvielfalt
sowie ein fairer Ausgleich globaler Ungerechtigkeiten.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15
:
: