Durch das Verhüllen die Fantasie enthüllt – Christo und Jeanne-Claude

Durch das Verhüllen die Fantasie enthüllt – Christo und Jeanne-Claude

48 Minuten
Podcast
Podcaster
Der Kunstpodcast mit Florian Illies und Giovanni di Lorenzo

Beschreibung

vor 1 Jahr
Das nennt man Vorsehung: An genau demselben Tag, und zwar am 13.
Juni 1935, kommen in Bulgarien und in Casablanca sowohl Christo als
auch seine spätere kongeniale Partnerin Jeanne-Claude zur Welt.
Nachdem die beiden sich im Paris der frühen 1960er Jahre ineinander
verliebt hatten, verhüllten sie fortan gemeinsam für sechs
Jahrzehnte Gebäude und Brücken und Täler und Inseln. Was war Ihr
Ziel, was wollten Sie damit enthüllen? Das diskutieren Florian
Illies und Giovanni di Lorenzo in der neuesten Folge von "Augen
zu", dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE. Im Juni 1995
bescherten Christo und Jeanne-Claude mit ihrer Verhüllung des
Deutschen Reichstages den Deutschen einen seltenen Moment heiterer
Selbstreflexion. Indem sie das Parlamentsgebäude, das zuvor
symbolisch für die Last der deutschen Geschichte stand, für zwei
kurze sommerliche Wochen in unschuldiges Weiß verpackten, gelang es
ihnen, das Ende der Bonner und den Beginn der Berliner Republik
symbolisch einzuleiten. Im Podcast "Augen zu" erzählt die damalige
Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, wie es in einem zähen,
jahrzehntelangen Ringen gelang, eine Mehrheit im deutschen
Bundestag für diesen einzigartigen Akt der Verhüllung eines
staatlichen Symbols zu organisieren. Alle Verpackungen von Christo
und Jeanne-Claude sind Festspiele der Vergänglichkeit, also
mindestens so sehr Werke des Barock wie der Konzeptkunst. Dass sie
im kollektiven Gedächtnis bleiben, verdanken wir Wolfgang Volz, dem
deutschen Fotografen, der seit 1971 an Seite von Christo und
Jeanne-Claude steht. Er berichtet als zweiter "Telefonjoker" in
"Augen zu", wie es ihm gelang, als junger Fotografiestudent den
gigantischen Vorhang in einem Tal in den Rocky Mountains zu
fotografieren, bevor ihn der Wind zerfetzte. In Spätsommer 2021
vollendete sich das Œuvre von Christo und Jeanne-Claude mit der
Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris. Auch dies war, wie der
"Wrapped Reichstag" ein jahrzehntelang vorbereitetes und viel
diskutiertes Projekt. Als er 2021 durch weiß-leuchtende Stoffbahnen
den Blicken der Gegenwart entzogen wurde, um die Fantasie zu
enthüllen, da konnten dies seine Schöpfer selbst nicht mehr
miterleben, da sie 2009 und 2020 gestorben waren. Die große Frage
ist nun: Was bleibt von diesem Künstlerpaar, wenn nicht nur sie
selbst, sondern auch ihre Werke von der Erde verschwunden sind?
Genau diese Frage diskutieren Florian Illies und Giovanni di
Lorenzo. Alle vier Wochen widmet sich "Augen zu" dem Lebenswerk
einer großen Künstlerpersönlichkeit. Stellt die Biografie ebenso
vor wie die wichtigsten Werke. In der nächsten Folge wird sich
Augen zu Jan Vermeer zuwenden, der zur Zeit mit einer großen
Ausstellung in Dresden gefeiert wird. Sie erreichen den Podcast mit
Anregungen und Fragen über die E-Mailadresse augenzu@zeit.de.

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