Wie löst man das synoptische Problem - Teil 3/4

Wie löst man das synoptische Problem - Teil 3/4

42 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat

Folge 3: Synoptische Analogien aus mündlichen Kulturen  


Um eine belastbare Antwort auf die synoptische Frage geben zu
können, reicht es nicht aus, anhand einer griechischen Synopse
die Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen den Evangelien zu
analysieren. Es müssen auch historische Analogien herangezogen
werden. Dazu ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich.
Neben synoptischen Befunden aus der antiken Literatur (Chronik,
Josephus usw.) sind vor allem synoptische Texte aus mündlichen
Kulturen relevant.  


Prof. Dr. Armin D. Baum (FTH Gießen) präsentiert in dieser
dritten Folge synoptische Texte aus der mündlichen Literatur
Südjugoslawiens (1930er Jahre), aus der mündlichen Literatur
Nordamerikas (1890er Jahre) und aus der mündlichen Literatur
Westafrikas (1960er Jahre). Darüber hinaus bezieht er auch
synoptische Befunde aus der rabbinischen Überlieferung ein.
Daraus ergeben sich mehrere Erkenntnisse: Eine mündliche
Tradition hat (gegen Eichhorn, Morgenthaler u.a.) durchaus die
Kraft, mündlich überlieferte Sätze bis auf den Wortlaut genau zu
fixieren. In der antiken Literatur sind bisher keine
Paralleltexte nachgewiesen worden, deren Verhältnis dem zwischen
den Synoptikern so ähnlich ist wie die beiden Fassungen des
rabbinischen Traktats Avot de Rabbi Natan A par B (und ähnliche
rabbinische Paralleltexte). Die rabbinische Traditionsliteratur
entstammt einem historischen Kontext, in dem ein „Nebeneinander
von mündlicher und schriftlicher Überlieferung mit dem Vorrang
des mündlichen Textes“ (Günter Stemberger) bestand. Daher ist
anzunehmen, dass auch die Parallelen zwischen den synoptischen
Evangelien nicht primär auf Abschreibevorgänge, sondern auf
mündliche Überlieferungsprozesse zurückzuführen sind.  


Fazit: Wenn wir uns von unserer „Schreibtischmentalität“ lösen
und interdisziplinär nach historischen Analogien fragen, zeigt
sich, dass das synoptische Problem am besten mithilfe eines
starken mündlichen Faktors gelöst werden kann.

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