Christian Schicha über Ethik in Bildern und Medien | Podcast Ethik Digital

Christian Schicha über Ethik in Bildern und Medien | Podcast Ethik Digital

Fake-Bilder, KI und AI - wohin geht die Ethik der Bilder?
48 Minuten
Podcast
Podcaster
Digitale Ethik in Gesellschaft - Podcast von Rieke Harmsen und Christine Ulrich

Beschreibung

vor 10 Monaten

Wie bekommen wir die Ethik in die Bilder? Damit beschäftigt sich
der Theologe Christian Schicha. Ein Gespräch über digitale Ethik
- und wie wir mit Fake-Bildern, Künstlicher Intelligenz und der
Flut der Bilder umgehen. Ein Podcast von Rieke C. Harmsen und
Christine Ulrich.
Ethik in Fotos, Bildern und Medien Welche
Bilder über Katastrophen sollten wir in den Medien zeigen? Wie
gehen wir mit Fake-Fotos um - und der schieren Masse von Bildern,
mit denen wir täglich überflutet werden? Der Theologe Christian
Schicha forscht über Bildethik. 




Bei der Fussball-Europameisterschaft ist ein Spieler plötzlich
umgefallen und die Kameras wurden teilweise nicht abgestellt. Wie
bewerten Sie so eine Situation - als Zuschauer, aber auch als als
Medienethiker?


Schicha: Ich bin Fussballfan, Rezipient und Betrachter wie jeder
andere auch. Aber ich sehe das natürlich auch aus der normativen
Perspektive der Bildethik. Bei den Bildern geht es um die
Situation des Spielers als Opfer und die Frage, wie wir damit
umgehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Fußballspieler
großen Wert darauf legt, dass die Bilder weltweit gezeigt werden.
Positiv zu bewerten war die Reaktion der Mitspieler, die ihn
umstellt haben, um ihn zu schützen. Gleichzeitig vermittelten die
Bilder auch, dass die Spieler aufgrund der dramatischen Situation
Situation persönlich betroffen waren.


Sollten die Kameras also abgeschaltet werden?


Schicha: Ich würde in solchen Fällen immer dafür plädieren, die
Kamera möglichst schnell wegzuziehen oder nicht draufzuhalten.
Also weder die Emotionen der Spieler noch die Emotionen der Fans
im Stadion zeigen, die sich zwar im öffentlichen Raum bewegen,
aber emotional teilweise auch fix und fertig waren. Natürlich ist
Fussball ein öffentliches Ereignis, über das berichtet werden
muss. Aber so eine Situation sollte nicht in Bildern festgehalten
werden, weil diese Bilder ewig weiter transportiert werden und
auch die Angehörigen des Spielers, die Freunde oder die Kinder
des ständig damit konfrontiert werden. Daher ist aus meiner Sicht
in solchen Fällen Zurückhaltung gefragt.


Sie haben gerade ein Buch über Bildethik veröffentlicht.
Welches sind Ihre Erkenntnisse?


Schicha: Das Buch versteht sich als Einführung ins Thema. Es ging
nicht um eine theoretische Abhandlung, sondern darum, das Thema
komprimiert und konzentriert zusammen zu fassen. Es handelt sich
um ein Grundlagenwerk, dass Interesse am bildethischen Fragen
wecken sollte.


Sie widmen sich dort auch dem Thema Bildbearbeitung. Was hat
das mit Ethik zu tun?


Schicha: Bildbearbeitung gibt es schon lange - von Stalins
retuschierten Fotos bis zur digitalen Bildbearbeitung heute. Mir
geht es um ethische Fragen: Wann sind Bilder moralisch
angemessen? Wie gehen wir um mit Bildern von Prominenten? Wie ist
das Verhältnis zwischen öffentlicher


Relevanz und Persönlichkeitsschutz? Und wer trägt die
Verantwortung für die Bilder: Der einzelne Fotograf oder die
Redaktion? Sind nicht alle mit verantwortlich, die solche Bilder
anschauen? Sollten wir nicht selber wegschalten oder zumindest
darauf reagieren, wenn Bilder von Verstorbenen, von Amokläufern,
von Opfern gezeigt werden?


Im Buch werden prominente Fotografen wie Robert Capa und
Helmut Newton vorgestellt. Spielte für diese das Thema Bildethik
überhaupt eine Rolle?



Schicha: Zunächst verfolgen Fotografinnen und Fotografen
ebenso wie entsprechende Zeitungen oder Medien erstmal den
durchaus legitimen Anspruch, mit ihrer Arbeit Geld verdienen zu
wollen. Das ist vollkommen in Ordnung. Als Medienethiker erhebe
ich nicht den Zeigefinger und sage: Das dürft ihr alles nicht,
das ist ganz schlimm. Die Kunstfreiheit, die freie
Meinungsäußerung und das Zensurverbot haben ihre Berechtigung.
Natürlich gibt es Grenzen. So sollte pornografisches Bildmaterial
nicht Kindern und Jugendlichen zugänglich sein, und natürlich
sind nationalsozialistische Symbole oder Gewaltdarstellungen
problematisch. Aber die Kunst darf aus meiner Sicht im Gegensatz
zur journalistischen Fotografie oder auch zur
Dokumentarfotografie diese Grenzen ausreizen. Denn Kunstfreiheit
ist ein extrem wichtiges Gut. Wir brauchen diesen Diskurs in
einer öffentlichen, demokratischen Gesellschaft. Wenn Kunst
eingeschränkt wird und wenn Künstlerinnen und Künstler verhaftet
werden, wenn nicht demonstriert werden darf und wenn nicht
protestiert werden darf, dann läuft einiges schief. Also insofern
wünsche ich mir da den den Diskurs. Was aber nicht bedeutet, dass
alles gezeigt werden darf.


Das gesamte Interview kann als Video und Text abgerufen werden:
https://www.sonntagsblatt.de/podcast-ethik-digital-christian-schicha


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Rückfragen und Anregungen zum Podcast bitte an Chefredakteurin
Rieke C. Harmsen: rharmsen@epv.de
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