Streitfall Taube: Verhasst und vergöttert

Streitfall Taube: Verhasst und vergöttert

Jede Schweizer Stadt kämpft gegen zu viele Tauben und deren ärgerlichen Dreck. Nun offenbart die Forschung die faszinierende Seite der Vögel. Sie entschlüsselt ihre erstaunliche Navigation sowie ihre kognitiven Fähigkeiten – und sie können sogar Englisch?
37 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Jede Schweizer Stadt kämpft gegen zu viele Tauben und deren
ärgerlichen Dreck. Nun offenbart die Forschung die faszinierende
Seite der Vögel. Sie entschlüsselt ihre erstaunliche Navigation
sowie ihre kognitiven Fähigkeiten – und sie können sogar Englisch?
Keine Stadt, wo Tauben keine Plage sind. Weil sie Allesfresser
sind, weil ihr Kot Gemäuer zersetzt, weil sie sich hemmungslos
vermehren. Die Stadt Bern geht das Problem mit einem Konzept an,
das wohl europaweit einzigartig ist. Hier werden Tauben nicht
abgeschossen oder vergrämt, sondern gehegt und gepflegt. Dank
städtischen Taubenschlägen mit kontrollierter Fütterung,
Gesundheitschecks und der Sterilisation männlicher Tauben ist der
Bestand 10 Mal kleiner als noch vor 10 Jahren. «Einstein» hat das
Berner Taubenmanagement unter die Lupe genommen und eine
Tierpflegerin auf ihrer Tour durch die städtischen Taubenschläge
begleitet. So verhasst die Tauben bei vielen oft sind: Sie werden
völlig unterschätzt. Tauben brillieren mit kognitiven
Höchstleistungen. Sie sind Meister im auswendig lernen und ihr
visuelles Gedächtnis ist schlicht phänomenal. Bei Experimenten im
Labor scannen und merken sie sich problemlos 1000 Bilder. Sie
lernen, ob es sich bei einer Buchstabenfolge um ein korrektes
englisches Wort handelt oder nicht, und sie können die Kunststile
von Picasso und Monet treffsicher unterscheiden. Auch in Freiheit
machen sich Tauben ihr Talent fürs Einordnen und Erkennen von
Bildern zunutze, mit einem Orientierungssinn, der nicht zu toppen
ist. Sie findet immer zu ihrem Heimschlag zurück, egal, woher sie
kommt, und wie weit sie davon entfernt ist. Sie erkennt und
orientiert sich dabei am Magnetfeld der Erde, am Sonnenstand, am
Infraschall und an Gerüchen. Sie besitzen eine Art biologischen
Kompass, dessen Geheimnis bis heute nicht restlos gelüftet ist.
«Einstein» zeigt Tauben aus einer neuen, faszinierenden
Perspektive. Sie sind keine «Ratten der Lüfte», sondern äusserst
gelehrige Vögel, die ziemlich was draufhaben.

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