Inzest – Mut zum Wort

Inzest – Mut zum Wort

Worte finden für das Unsagbare, den eigenen Vater oder Onkel anzeigen. Es ist selten, dass Kinder es wagen, einen Missbrauch aufzudecken. Weil sie nicht wissen, wie ihnen geschieht, weil sie sich schuldig fühlen oder aus purer Angst.
50 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Worte finden für das Unsagbare, den eigenen Vater oder Onkel
anzeigen. Es ist selten, dass Kinder es wagen, einen Missbrauch
aufzudecken. Weil sie nicht wissen, wie ihnen geschieht, weil sie
sich schuldig fühlen oder aus purer Angst. Sie sind zwischen 16 und
72 Jahre alt. Einige sind bekannt, wie die ehemalige Miss Schweiz,
Sarah Briguet. Die anderen sprechen zum ersten Mal in der
Öffentlichkeit. Ihre Kindheit wurde zerstört, beschmutzt durch den
Vater oder den Onkel. Worte dafür zu finden und auszusprechen, ist
schwer – wie die Last, die sie seit Jahren bedrückt. Die Jüngsten
unter ihnen, Claire und Chloe sind erst 16- und 22-jährig. Sie
schaffen es, schon als Mädchen, etwas von dem Unsäglichen
anzusprechen. Sie werden irgendwann von ihren Müttern gehört und
unterstützt. Der Weg durch das grosse Schweigen ist aber auch für
sie ein langer, beschwerlicher Weg. Zu unüberwindlich scheint die
Mauer, die dieses stärkste aller Tabus umgibt. «Inzest tötet, aber
wir müssen leben», sagt eine der Frauen, die sich entschlossen hat,
vor der Kamera zu sprechen. Depressionen und Suizidgedanken tauchen
immer wieder auf. Der einzige Schlüssel, um daraus auszubrechen,
ist das Wort. Das Geheimnis preisgeben, dessen Last so schwer zu
tragen ist, und innerlich zerstört. Mit dem Brechen des Tabus
retten die fünf mutigen Frauen aber nicht nur ihr eigenes Leben.
Sie tragen dazu bei, zu verhindern, dass der Inzest weiterhin im
Stillen Leben zerstört. Die 51-jährige Sarah Briguet, die ehemalige
Miss Schweiz, wurde seit ihrem siebten Lebensjahr Opfer von
sexuellen Übergriffen durch ihren Vater. Obwohl sie versucht, Worte
zu finden, schenkt man ihr als Mädchen kein Gehör. Als sie endlich
bereit ist, ist ihr Fall knapp verjährt. Zum ersten Mal haben sich
auch weitere Frauen bereiterklärt, vor der Kamera auszusagen. Für
Marie und Michèle ist das Trauma des Inzests unauslöschlich. Ein
ganzes Leben reicht nicht aus, es wiedergutzumachen. Und gerade
deswegen hören sie nicht auf, darüber zu sprechen. In der Reportage
von Laurence Gemperlé und Frank Preiswerk sprechen fünf Frauen über
Inzest. Die eigenen Eltern zu denunzieren und Gerechtigkeit zu
fordern, ist ein Kraftakt, der fast nicht zu bewältigen ist. Sie
wagen es, den Schmerz und die innere Wut herauszulassen.

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