Danksagung als Sünde | Von Marcus Klöckner

Danksagung als Sünde | Von Marcus Klöckner

10 Stunden 53 Minuten

Beschreibung

vor 1 Jahr

Nena hat es gewagt, sich zu bedanken — allerdings bei den
„Falschen“. Exklusivabdruck aus „Zombie-Journalismus: Was kommt
nach dem Tod der Meinungsfreiheit?“.


Von Marcus Klöckner.


Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst
im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen
Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv
sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative
Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der
Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der
Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir
brauchen viele alternative Medien!


Nena hat „Danke!“ gesagt. Und das hat genügt, die Wut vieler
Medien auf sich zu ziehen. Das war im März 2021. Bis zu diesem
Zeitpunkt herrschte durchaus Konsens, dass gute Umgangsformen, zu
denen nun mal ein freundliches „Danke“ und „Bitte“ gehören, Teil
unseres gesellschaftlichen Umgangs miteinander sind. Seit jenem
Tag aber, als in Kassel Menschen friedlich für die Grundrechte in
Deutschland auf die Straße gingen, gilt eine neue Etikette. Nena
sagte „Danke Kassel!“ ― und Journalisten erwiderten: „Steine,
bitte!“. Willkommen in der neuen Normalität!


Bedanken darf man sich nur noch bei den Richtigen. Wer sind die
Richtigen? Natürlich die, die ihre Absolution durch die
Hohepriester der Meinungsmacht erhalten haben. Ein Dankeschön in
Richtung Angela Merkel zu richten, ist völlig in Ordnung. Ein
Dank an Annalena Baerbock zu richten, ist okay und
selbstverständlich auch angebracht. Überhaupt: Ein großes
Dankeschön an die Grünen! Das sehen Medien immer gerne.


Selbst gegen ein herzliches Dankeschön, adressiert an einen
konservativen CSUler wie Markus Söder, haben Journalisten nichts
mehr einzuwenden. Warum auch? Wenn ein Mann wie Söder sich als
Hardliner in Zeiten einer Krise präsentiert und „klare Kante“
zeigt, dann schmelzen ganze Heerscharen von vorgeblich linken
Journalistenherzen nur so dahin: Endlich! Der starke Mann, der
verkündet, dass in ganz Bayern beim Einkaufen FFP2-Masken zu
tragen sind ― da steigt in den Redaktionen automatisch die
Feierlaune.


Nur wenn Nena eben „Danke Kassel!“ sagt, dann haben wir ein
Problem. Also nicht „wir“. Nicht Sie und ich. Aber eben viele
Journalisten.


„Hat Nena ein Herz für Corona-Leugner?“ (1), fragt die
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 24. März 2021
(dpa-Beitrag), das Meuchelmesser direkt neben der Eingabetaste.


Diese Überschrift trifft wie ein Vorschlaghammerschlag auf die
Nase. Man muss sich vor Augen halten, was es mit ihr auf sich
hat. Die FAZ ist eine der renommiertesten Zeitungen des Landes.
Hohe Auflage, reichweitenstark.


Diese meinungsbildende Zeitung fragt nun ohne Wimpernzucken, ob
Nena ein Herz für Corona-Leugner hat.


Um nur ein ganz klein wenig in die Hermeneutik einzusteigen:
Woran erinnert dieses Wortkonstrukt „Corona-Leugner“ eigentlich?
Was schwingt da denn auf der konnotativen Ebene so mit? Sie ahnen
es. Es wird umgehend düster. Stichwort: Holocaust. Wir wissen,
dass es unermüdliche Geschichtsrevisionisten gibt, die das
unfassbare Grauen, das die Nazis verbreitet haben, relativieren,
verharmlosen, leugnen. Man nennt sie auch: Holocaust-Leugner. Das
sind also die, die meinen, der Holocaust habe gar nicht
stattgefunden. Die Unverbesserlichen eben.


Aber lassen wir das mal beiseite. Wichtig ist an dieser Stelle,
dass die FAZ eine konnotativ extrem aufgeladene Formulierung
gebraucht. Der Begriff Holocaust-Leugner schlägt einem geradezu
ins Gesicht. Und ist es nicht auch so, dass auf diesen Demos der
„Corona-Leugner“ sowieso nahezu ausschließlich Nazis auflaufen?
Denken Sie nur an die gigantisch große Zahl an Reichsflaggen, die
Demonstranten immer wieder in der Menschenmenge schwenken und auf
die die Medien aufmerksam machen.


Sie haben bestimmt auch dieses Meer an Reichsflaggen gesehen,
bestehend aus zwei, drei Fahnen, die irgendwie, irgendwo,
irgendwann geschwenkt wurden.


Sehen Sie, so schnell geht das, so schnell schließt sich ein
Kreis.…weiterlesen hier:
https://apolut.net/danksagung-als-suende-von-marcus-kloeckner


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