“Digitale Transformation ist ein Hygienefaktor” mit Dr. Klaus Math

“Digitale Transformation ist ein Hygienefaktor” mit Dr. Klaus Math

Warum die Digitalisierung in der Lebensversicherung sekundär ist und mehr Wert auf der Kernnutzenstiftung liegt.
41 Minuten
Podcast
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Gespräche zur digitalen Transformation in der Versicherungswirtschaft

Beschreibung

vor 9 Monaten

Die LV 1871 ist ein mittelständischer Lebensversicherer mit 850
Millionen Euro Beitragseinnahmen. Sie sind spezialisiert auf
Berufsunfähigkeitsversicherung und private Altersvorsorge und
wurden unlängst zum zweiten Mal mit dem Digital Champion von
Focus Money ausgezeichnet.


Doch gerade in der Lebensversicherung, wo wenige Transaktionen
stattfinden, erklärt Klaus, sind digitale Prozesse zweitrangig.
Stattdessen fokussiere man sich auf die Kernnutzenstiftung. In
diesem Versicherungsbereich spiele die Digitalisierung von
Prozessen und Abläufen ohnehin eine geringfügige Rolle dabei,
sich einen Wettbewerbsvorteil am Markt zu erringen, erzählt er
weiter. Er sieht die digitale Transformation eher als
Notwendigkeit an, denn als große Profitchance. Mithalten sei die
Devise, doch digitale Vorreiter seien andere. Für die LV 1871
ginge es stattdessen um Themen, wie die Finanzstärke des
Unternehmens, Produktservice und einen günstigen
Versicherungsschutz.


Einen wichtigen Schritt hin zur Stabilität des Unternehmens sieht
Klaus in der Unabhängigkeit von Kapitalmarktschwankungen. Zu
diesem Entschluss sei die LV 1871 Anfang der 2000er Jahre
gekommen. Die anhaltenden Verwerfungen am Markt, Finanzkrisen und
der Rückgang der Zinsen haben den Eindruck verfestigt, dass diese
Entwicklungen keine einmaligen Vorkommnisse seien, sondern von
Dauer sein könnten. So habe man den eigenen Bestand an
biometrischen Versicherungen in diesem Zeitraum aufgestockt und
liege hier bis heute über dem Marktdurchschnitt. Von dem hohen
Druck die höchste Überschussbeteiligung erzielen zu müssen, hat
man sich zugunsten der Kernnutzenstiftung befreit, meint Klaus.


Wichtig sei auch der frühe Einsatz von Daten gewesen, wenn es um
die Analyse der Geschäftspartnerbeziehungen geht. Hier werde mit
eigens programmierter Software gearbeitet, um Daten bis auf die
Mikroebene hin gewinnen und einsetzen zu können: Wie hoch ist das
Storno-Risiko eines Vertrags? Kann der Break-Even Point der
Lebensversicherung noch erreicht werden? Ist der aktuelle
Geschäftsjahrgang profitabel? Dieses Vorgehen sei notwendig, um
den langfristigen Erfolg des Geschäfts gewährleisten zu können.
“Heute würde man es Data Science nennen”, sagt Klaus. Ziemlich
einzigartig sei damals auch die Einspeisung der aus den Daten
gezogenen Erkenntnisse in die Vertriebssteuerung gewesen. Ist
eine Geschäftsbeziehung nicht ausreichend profitabel, habe das
Konsequenzen - bis zum Abbruch der Verbindung. Auch das ist eine
Form der Digitalisierung, meint Klaus. Die Verknüpfung von
IT-Ressourcen, Daten und dem Willen, die nötigen Entscheidungen
auf politischer Ebene durchzusetzen seien bei dem ganzen Vorhaben
von zentraler Bedeutung.


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