Das Kaspar-Hauser-Jahr: Corona-Maßnahmen und Menschlichkeit | Von Dagmar Henn

Das Kaspar-Hauser-Jahr: Corona-Maßnahmen und Menschlichkeit | Von Dagmar Henn

15 Stunden 39 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Den vollständigen Standpunkte-Text (inkl ggf. Quellenhinweisen und
Links) findet ihr
hier:https://kenfm.de/das-kaspar-hauser-jahr-corona-massnahmen-und-menschlichkeit-von-dagmar-henn
Seit über einem Jahr leben wir nun mit Masken und in
“sozialer Distanz”. Manche Folgeschäden sind bereits sichtbar.
Diese Maßnahmen greifen tief ein in Verhaltensweisen und
Bedürfnisse, die uns als Menschen ausmachen. Auf Dauer stellen sie
die Menschlichkeit selbst infrage. Ein Standpunkt
von Dagmar Henn. Als am 26. Mai 1828 in Nürnberg
ein Jugendlicher auftauchte, der sich Kaspar Hauser (1) nannte und
erzählte, er sei über Jahre hinweg isoliert aufgewachsen, war das
der Auslöser für Debatten, welchen Anteil Sprache und Kontakt an
der menschlichen Natur hätten. Seine Geschichte diente, auch wenn
viele Details darin fraglich sind, noch im vergangenen Jahrhundert
als Anlass, den geistigen und emotionalen Verfall isolierter
Kinder, den Hospitalismus, als Kaspar-Hauser-Syndrom zu benennen.
Hospitalismus (2) wurde, das lässt sich schon am Namen erkennen,
zuerst in Krankenhäusern beobachtet. Kinder, die längere Zeit dort
verbrachten, ohne Kontakt, Zuwendung und Nähe zu erfahren, werden
apathisch, entwickeln sich zurück, werden aber auch deutlich
anfälliger für Krankheiten aller Art. Eine Zeit lang wurde
Hospitalismus, als man die Bedeutung der Hygiene gerade erst
entdeckt hatte, regelrecht gefördert – die Regeln in manchen
Waisenhäusern untersagten jegliche Berührung (3), und die Kinder,
die unter diesem Regime aufwuchsen, überlebten es meist nicht,
obwohl sie nach damaliger Überzeugung bestens vor Infektionen
geschützt wurden. So wie das Erscheinen Kaspar Hausers zu einer
Beschäftigung mit der Rolle der sprachlichen Kommunikation führte,
sorgte das Phänomen des Hospitalismus, als es dann erkannt wurde,
für ein Nachdenken über die Rolle körperlicher Zuwendung. Berühmt
wurden die Experimente von Harry Harlow, der Rhesusaffenbabys vor
die Wahl zwischen einem milchspendenden Drahtkörper und einem
milchlosen Fellkörper stellte, wobei sich zeigte, dass die
Affenbabys den Drahtkörper nur zum Trinken aufsuchten. Im Gefolge
dieser Erkenntnisse wurde es unter anderem Müttern ermöglicht, bei
ihren kranken Kindern zu bleiben, wenn diese in die Klinik mussten,
und Neugeborene wurden nicht mehr systematisch von ihren Müttern
getrennt…weiterlesen hier:
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