Wirtschaftsnews vom 27. Juli 2021

Wirtschaftsnews vom 27. Juli 2021

Wirtschaftsnews

Beschreibung

vor 2 Monaten

Thema heute:   


KIT: Hochwasserrisiken wurden deutlich unterschätzt


 


 


 


Die Hochwasserkatastrophe in Deutschland hat sehr viele
Todesopfer gefordert. Immer noch werden Menschen vermisst. Die
Schäden an Gebäuden und Infrastruktur lassen sich erst grob
bestimmen und gehen in die zweistelligen Milliarden – davon
allein mindestens zwei Milliarden Euro für
Verkehrsinfrastrukturen.


Inzwischen hat der Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) den versicherten Schaden auf
vier bis fünf Milliarden Euro nur in Rheinland-Pfalz und
Nordrhein-Westfalen geschätzt.


Um Hochwassergefahren besser einschätzen zu können, sollen
Gefahrenkarten historische Daten einbeziehen. Dafür plädieren
Forschende am CEDIM – Center for Disaster Management and Risk
Reduction Technology des Karlsruher Instituts für Technologie
(KIT). Das CEDIM hat einen ersten Bericht zur Flutkatastrophe in
Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Was die Rolle
des Klimawandels betrifft, birgt die Kombination aus mehr
verfügbarem Wasser in der Atmosphäre und einer zunehmenden
Beständigkeit von Großwetterlagen ein steigendes Potenzial für
extreme Niederschlagsereignisse.


Wie die Forschenden erläutern, führten enorme Niederschlagsmengen
dazu, dass beispielsweise der Pegel an der Ahr (Altenahr) seinen
bisherigen Rekord deutlich überstieg. Überflutungsbedingt fiel
die Messstation bei einem Wert von 5,05 Metern allerdings aus.
Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz kalkulierte aus
Modellrechnungen für die Katastrophennacht einen Pegel von bis zu
sieben Metern.


Mehrere Faktoren führten zu den extrem hohen
Niederschlagssummen


Aus meteorologischer Perspektive führten verschiedene Faktoren zu
den extrem hohen Niederschlagssummen. „Innerhalb von 48 Stunden
fiel in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mehr
Regen, als dort üblicherweise im gesamten Monat Juli niedergeht;
der Hauptanteil ging sogar innerhalb von nur rund zehn Stunden
nieder“, berichtet CEDIM-Sprecher Professor Michael Kunz.


Außerdem verstärkte das stark gegliederte Gelände der betroffenen
Regionen, besonders im Landkreis Ahrweiler, mit teils tief
eingeschnittenen Flusstälern den Oberflächenabfluss. Der bereits
annähernd gesättigte Boden durch teils kräftige Niederschläge in
den vorangegangenen Tagen verschärfte die Situation zusätzlich.
Ob ein einzelnes Extremereignis oder die Abfolge mehrerer Extreme
bereits auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich nach
Aussage der Karlsruher Katastrophenforschenden weder exakt
belegen noch komplett verneinen, besonders wenn es um Ereignisse
auf kurzen Zeit- und Raumskalen geht, die stark von lokalen
Faktoren beeinflusst sind.  


 


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