Bitten der Regierung statt klarer Vorgaben – über die Deutsche Schule Tokyo während Corona mit Wolfram Schrimpf

Bitten der Regierung statt klarer Vorgaben – über die Deutsche Schule Tokyo während Corona mit Wolfram Schrimpf

„Wir wollten von Anfang an irgendwie Unterricht machen.“
41 Minuten
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Beschreibung

vor 5 Monaten
Wolfram Schrimpf ist Schulleiter an der Deutschen Schule Tokyo
Yokohama. Bevor er dieses Amt 2018 übernahm, ist er als Schulleiter
in Leverkusen und in Schanghai tätig gewesen. Im Podcast „School
must go on“ spricht Wolfram Schrimpf über den Umgang mit den
Schulschließungen aufgrund der Pandemie, die daraus resultierenden
Erkenntnisse in Bezug auf den Unterricht und den kollegialen
Austausch zwischen Lehrkräften. – „Wir waren auf die
Schulschließungen nicht vorbereitet.“ – Als im Frühjahr 2020 die
Corona-Zahlen in Tokio stiegen, habe die Regierung die Schulen
gebeten zu schließen. „Es war dann relativ schwierig, weil wir
keine konkreten Vorgaben hatten, sondern nur die Bitte der
Regierung“, erklärt der Schulleiter. „Das Gesellschaftsverständnis
in Japan ist, dass man sich an die Bitten hält, aber es gibt kein
klassisches Kontrollsystem. Es besteht eher eine gesellschaftliche
Kontrolle.“ Die Schulen seien nicht vorbereitet gewesen und mussten
innerhalb von einer Woche ein System entwickeln, um den Unterricht
fortführen zu können. „Man hatte keine Zeit, mit den Schüler*innen
und einer Lernplattform zu üben, aber wir wollten von Anfang an
irgendwie Unterricht machen“, so Wolfram Schrimpf. „Uns blieb
nichts anderes übrig, als möglichst schnell möglichst viel
mitzunehmen, auszuprobieren und sich auszutauschen, um möglichst
viel dazuzulernen, wie Unterricht am besten funktioniert unter den
Umständen.“ – Erkenntnisse aus den Schulschließungen – „Unsere
Prämisse nach der ersten Schulschließung war: Möglichst in Präsenz,
möglichst lange zu unterrichten während der verschiedenen Wellen“,
resümiert der Pädagoge. Es habe unter anderem eine strikte Trennung
der verschiedenen Bereiche Kindergarten, Grundschule und Gymnasium
gegeben, um das zu ermöglichen. Man habe aus den ersten drei
Monaten viel gelernt, wie man mit digitalen Medien unterrichten
kann und habe diese Erkenntnisse auch in den Präsenzunterricht
integriert. „Zusätzlich zu digitalen Medien im Unterricht hat sich
auch die Meetingkultur verändert. Viele Meetings und Treffen finden
seither nur noch online statt. Das erleichtert für alle das
Zusammenkommen.“ – Kollegialer Austausch, auch von zu Hause – „Wir
hatten genau einen Tag, um das Kollegium nochmal zusammenzubringen
und haben dann von morgens bis abends Schulungen und Einführungen
gemacht“, erklärt Wolfram Schrimpf. Als danach alle von zu Hause
unterrichtet haben, habe man gemerkt, dass es nicht nur darum geht,
die technischen Bedingungen herzustellen, sondern auch um den
kollegialen Austausch. Dieser sei schwieriger, wenn alle zu Hause
sind. „Wir haben das Kollegium, inklusive des Schulleitungsteams,
in Kleingruppen aufgeteilt, welche sich regelmäßig für
Feedback-Gespräche zusammengesetzt haben. Es wurde gefragt: Wie
läuft es? Wo sind Schwierigkeiten? Was braucht ihr noch? Wo ist
noch Bedarf?“ Danach habe sich dann das Schulleitungsteam zu den
verschiedenen Anmerkungen ausgetauscht. Auf dieser Grundlage habe
man dann entsprechende Angebote, Fortbildungen oder Plattformen
organisiert. Außerdem spricht Wolfram Schrimpf über die japanische
Einstellung zur Bildung und den daraus resultierenden Druck für die
Kinder, die Ausstattung mit digitalen Endgeräten in den Familien
und die soziale Interaktion zwischen den Schüler*innen während
Corona.

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