Best of: Die Elbvertiefung oder Herr Buckow fischt im Trüben

Best of: Die Elbvertiefung oder Herr Buckow fischt im Trüben

Vom Hafen Hamburg bis zur Nordsee wird die Elbe ausgebaggert, um Platz zu schaffen für die Containerschiffe. Für die Reeder ist das zwingend, doch: Das Watt verschlickt, den Fischen fehlt Stauerstoff, die Deichsicherheit leidet. Eine Reise der Elbe en ...
27 Minuten

Beschreibung

vor 2 Monaten
Vom Hafen Hamburg bis zur Nordsee wird die Elbe ausgebaggert, um
Platz zu schaffen für die Containerschiffe. Für die Reeder ist das
zwingend, doch: Das Watt verschlickt, den Fischen fehlt
Stauerstoff, die Deichsicherheit leidet. Eine Reise der Elbe
entlang von Hamburg nach Cuxhaven. Der Hafen ist das Herz der Stadt
Hamburg – er liegt mitten drin, und doch nicht am Meer. Die immer
grösseren Containerschiffe fahren über 100 Kilometer auf der Elbe
von der Nordsee nach Hamburg hinauf und zurück. Stets war der Hafen
als Wirtschaftsmotor – direkt und indirekt verantwortlich für
150'000 Arbeitsplätze - unbestritten. Für Regierung und Wirtschaft
steht ausser Zweifel, dass die sogenannte Fahrrinnenanpassung der
Elbe den Hafen wettbewerbsfähig macht. Das heisst, dass Fluss und
Hafen immer wieder ausgebaggert werden müssen, damit die 400 Meter
langen und 60 Meter breiten Schiffe leichter in den Hafen kommen.
Tonnen von Schlick werden so abtransportiert und vor der Elbmündung
wieder ins Meer verklappt, von wo die Flut ihn erneut die Elbe
hinauf spült. Auf diese Weise wird das Sandwatt im Nationalpark vor
Cuxhaven mit belastetem Hafen-Schlick verdreckt. Krabbenfischer
Torben Hinners musste sich einen grösseren Kutter kaufen, weil die
Fanggebiete in Küstennähe aufgeschüttet werden und er weiter aufs
Meer hinausfahren muss. Elbfischer Lothar Buckow fängt so gut wie
keinen Stint mehr. Das Wasser ist durch das dauernde Baggern völlig
eingetrübt, dem Fisch, der in der Elbe laicht, fehlt Sauerstoff.
Das Alte Land vor den Toren Hamburg gilt als Obstgarten
Deutschlands. Die Obstbauern sind bei anhaltender Hitze auf Wasser
aus der Elbe angewiesen. Doch durch die Vertiefung der Elbe kommt
das salzige Meerwasser immer weiter flussaufwärts – dadurch auch
noch die grosse Sorge vor einer erneuten Flut. Die Menschen, die an
der Unterelbe leben, erzählen sich noch heute von der grossen
Sturmflut von 1962. Damals brachen die Deiche, 315 Menschen
starben, unzählige verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Heute müssen
die Deiche immer wieder erhöht werden, aber die Kräfte, die unten
auf sie einwirken, nehmen zu. (Erstausstrahlung: 31. Oktober 2020)

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15
:
: