Von Veränderungen, Werten und Widerständen: Stemmen wir auch die Klimakrise?

Von Veränderungen, Werten und Widerständen: Stemmen wir auch die Klimakrise?

Disziplin hat uns durch die Corona-Krise geholfen - können wir auf freiwilliger Basis so auch andere Herausforderungen meistern?
37 Minuten

Beschreibung

vor 4 Monaten

Pfarrerin Katharina Stähler spricht mit Menschen aus der Region,
die etwas zu sagen haben.
Schon mal dran gedacht? PodCast am 16. Juni 2021


Von Veränderungen, Werten und Widerständen:


Stemmen wir jetzt auch die Klimakrise?


Corona hat vieles verändert. Die Veränderungen wurden uns durch
die Pandemie aufgezwungen. Gibt es auch freiwillige
Veränderungen, freiwillige Einschränkungen zu Gunsten unserer
Umwelt und des Klimas?


Pfarrerin Katharina Stähler spricht mit Sirin Bernshausen. Sie
ist in Biedenkopf aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sie ist
Mutter von vier Kindern. Heute arbeitet sie an der Uni Marburg im
Zentrum für Konfliktforschung.


Sirin Bernshausen erzählt, wie es zu Beginn ihres Studiums um
internationale, bewaffnete Konflikte gegangen sei, um Abrüstung
und wie die Regeln dafür geschaffen werden müssen. Sie habe sich
sehr schnell für Dialogthemen interessiert, für die
Konflikttransformation. Dabei gehe es nicht um kurzfristige
Waffenstillstände, sondern um nachhaltigen Frieden. Da sei die
Zivilgesellschaft unglaublich wichtig, denn das Verhalten der
betroffenen Menschen müsse sich tiefgreifend verändern, damit
dies Erfolg habe. Dialog sei sehr wichtig – und: „Es macht total
Spaß, Menschen dabei zu helfen, miteinander zu sprechen!“


Auf die Frage, ob sie sich denken kann, dass es durch die Corona
Krise leichter fällt, sich die Welt neu vorzustellen, antwortet
sie: „Corona ist ein Crash-Kurs im systemischen Denken für viele
von uns gewesen. Bei Dingen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und
Klimakrise geht es ja um sehr komplexe Sachverhalte. Corona hat
vielen zum Beispiel gezeigt, wie komplex und global wir
miteinander verbunden sind, zum Beispiel beim Einkaufen im
Supermarkt, was für Gemüse ist noch da und anderes nicht, weil
die Erntehelfer nicht ins Land reinkommen konnten. Allerdings, so
meint sie, dürfe man diese unmittelbare Erfahrung, die wir
während der Pandemie gemacht haben, nicht verlieren. Den
Erfahrungen müsste nun ein Handeln folgen.


Aber – können wir die Disziplin, die wir bei den Einschränkungen
während der Pandemie bewiesen haben, auch auf unser Verhalten was
die Nachhaltigkeit betrifft übertragen? Sirin Bernshausen meint,
viele Menschen würden bei der Betrachtung der Klimakrise denken,
dass sie ja nur ein ganz kleines Rädchen sind, und es eigentlich
egal ist, was sie machen. „Dass das nicht so ist, das ist ganz
wichtig, das in die Welt zu bringen“, sagt sie und erzählt von
der internationalen Transition-Bewegung.


„Bei Transition geht es darum, an den lokalen Kontext angepasst,
nachhaltige Strategien auszuprobieren. Transition hat etwas
Verbindendes, dieses Brücken bauen, zwischen ganz verschiedenen
Menschen aus verschiedenen Kontexten aber auch zwischen einer
Stadtverwaltung und der Zivilgesellschaft. Was ich persönlich an
Transition so spannend finde, ist dieses „Einfach-etwas-machen“!“
Es muss nicht alles durchgeplant sein, es darf auch Chaos
herrschen. Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang – wir hoffen
und tun unser Bestes, damit es gut kommt, aber letztendlich haben
wir es nicht komplett in der Hand. Von Anfang an war bei
Transition nicht nur der äußere Wandel wichtig, sondern auch der
innere Wandel. Kopf, Herz und Hand müssen eingebunden sein, sonst
ist der Wandel nicht nachhaltig.“


Die Achtsamkeitstrainerin Sirin Bernshausen sagt, dass eine Form
von Achtsamkeit verbunden mit Werten eine ganz spannende
Grundlage sei für Wandel. Damit eine gesellschaftliche
Veränderung möglich wird, müssten möglichst viele Menschen
mitmachen. Die Gefahr da sei ja oft, dass wir oberflächlich
bleiben, um zu verhindern dass Menschen zwar mitmachen aber nicht
daran glauben. Der Kopf sagt, der Klimawandel ist bedrohlich,
aber das Herz will möglichst öfters im Jahr ans Meer fliegen. Man
müsse solche Widersprüchen Raum geben und den Konflikt zulassen
und sich miteinander auseinandersetzen, dann sei mit der äußeren
Veränderung auch die innere möglich. 


„Gerade beim Thema Nachhaltigkeit ist es wichtig, dass wir dies
auf Kosten anderer tun. Es geht darum, sich als ein Teil von
etwas zu sehen. Ich glaube, da hat Kirche ganz viel Wissen, ganz
viel Erfahrung und auch Potential. Neben dem Einbringen im Dialog
finde ich es auch wichtig, dass Kirche handelt, sich in Projekten
und Initiativen einbringt und dort auch mitgestaltet. Gerade auch
mit den Werten, die die Kirche vertritt.“

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