Unterwegs zum Nachbar

Unterwegs zum Nachbar

Die Schweizer kennen sie kaum, diese Österreicher, obwohl die Nachbarn die gleiche Sprache sprechen, und obwohl ihr Land in etwa gleich gross ist wie die Schweiz. Eigentlich sind die Österreicher ihnen auch gar nicht so unsympathisch – wenn da nur nic ...
50 Minuten

Beschreibung

vor 3 Monaten
Die Schweizer kennen sie kaum, diese Österreicher, obwohl die
Nachbarn die gleiche Sprache sprechen, und obwohl ihr Land in etwa
gleich gross ist wie die Schweiz. Eigentlich sind die Österreicher
ihnen auch gar nicht so unsympathisch – wenn da nur nicht der
grässliche Kaiser-Schmarren wäre. Für die Dokumentation «Die
österreichische Seele» begibt sich der Schweizer Filmemacher Roland
Huber auf eine Reise zu den österreichischen Nachbarn und ihren
Eigenheiten – zum Beispiel der Wiener Opernball: Da hofft ein
Untertanenvolk auf die Auferstehung der kaiserlich-königlichen
Monarchie. Aber einer spuckt immer in die Suppe: Baukönig Richard
Lugner. Er kauft sich, was andere im Blauen Blut haben. Jedes Jahr
kommt er mit einem anderen Busenwunder in seine Opernloge. Doch
Österreich ist nicht nur Opernball. So führt die Reise zum Nachbarn
erst einmal in ein kleines Dorf im Salzkammergut: zu Totengräber
Friedrich Valentin Idam. Hallstatt zählt 700 Seelen - im Dorf. Auf
dem Friedhof sind es tausende. Der Friedhof ist so klein, dass
zwei, drei Leichen in einem Grab liegen. In der Steiermark hat
Bauer Gsellmann eine gigantische Weltmaschine gebaut: alte Räder,
Transmissionsriemen, Weltkugeln, Heiligenzeugs und allerlei
Geheimnisvolles. Die Weltmaschine müsse immerfort in Bewegung
gehalten werden, trug er seinem Enkel auf - ansonsten bliebe die
Welt stehen, und Österreich würde untergehen. Täglich kommt
Gsellmann dem Vermächtnis des Grossvaters nach. Im Narrenturm wurde
manch einer eingebuchtet, der von sich sagte «Ich bin der Kaiser».
Der richtige Kaiser, Leopold II., liess den Turm bauen. 240
Menschen fanden darin Platz, damit sie die kaiserlichen Untertanen
nicht mit Irrsinn, Aufwiegelung oder anderen demokratischen
Krankheiten anstecken konnten. «Wir sind Kaiser» ist eine
Kultsendung im österreichischen Fernsehen. Der Schauspieler Robert
Palfrader zieht dort Promis durch den Kakao - oder wie man in Wien
sagen müsste: schüttet einen Braunen über sie aus. Hier zeigt sich
eine besondere österreichische Tugend: der Schmäh, das Lachen über
sich selbst. Der Oberhof-Zeremonienmeister dieser Sendung nimmt das
Publikum ganz seriös mit in die Kapuzinergruft, dort wo 12 Kaiser
und 19 Kaiserinnen begraben liegen. Die letzte österreichische
Kaiserin verbrachte viele Jahre im schweizerischen Exil. Erst nach
ihrem Tod durfte sie zurück nach Wien.

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