heterotopia#9 Lea Torcelli

heterotopia#9 Lea Torcelli

Über Selbstwerdung und Selbstauflösung
1 Stunde 53 Minuten
Podcast
Podcaster
ein podcast über lebensweisen und strategien von musiker*innen

Beschreibung

vor 5 Monaten
„Ich brauch’ dieses Springen. Ich hab ein extremes Bedürfnis danach, mich permanent neu zu hinterfragen, reflektieren. Mich selbst zu recyclen. “
Lea ist Medien- und Installationskünstlerin, Performerin und Musikerin. Sie wächst in Freiburg auf, als Kind produziert sie ihre eigene Radioshow und spricht bei Hörspielproduktionen mit, später leitet sie eine Theater AG mit jungen Menschen und inszeniert dort philosophische Kinderbücher. Mit 20 Jahren verlässt sie Freiburg und studiert ein halbes Jahr „Philosophie Künste Medien“ in Hildesheim. Lea fühlt sich hin- und hergerissen zwischen Theater, Philosophie und Kunst. Sie möchte die Grenzen der Disziplinen ausloten, bricht ihr Philosophiestudium ab und zieht nach Berlin. Auf der Suche nach einem Raum, der ihr das Optimum an Freiheit ermöglicht, bewirbt sie sich für ein Kunststudium und wird an der Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen. Als sie 2016 das erste mal auf einer Bühne singt und improvisiert, wird diese Erfahrung zu einem ausschlaggebenden Ereignis für sie. Ab jetzt verwebt sie ihre Medien Musik, Installation, Video und Performance miteinander. Mit einer Freundin gründet sie die Band „she-dog“, eine Post-Punk Garage-Band, der folgende Dinge besonders wichtig sind: Eine dilettantische Vorgehensweise und emotionale Überreaktionen. Beide beginnen erst nach der Bandgründung damit ihre Instrumente zu spielen. So ist Lea von nun an plötzlich Sängerin und Bassistin. 2019 weiß sie, dass es Zeit ist Düsseldorf zu verlassen. Sie geht für ein paar Monate nach Athen, fasziniert von griechischer Mythologie und der dortigen anarchistischen Szene. Anschließend zieht sie nach Köln und spielt ihr erstes Konzert mit she-dog. Kurz vor der Covid-19-Pandemie.
Ich besuche Lea in ihrer Ateliergemeinschaft in einem alten Supermarktgebäude. Hier arbeitet sie auf 12 qm in der Mitte des Raumes, an ihren Stellwänden hängen Schwarz-Weiß-Kopien. Bilder von Säuglingen die an den Brustwarzen ihrer Mütter ziehen, Teufeln und Heiligen. Auf Kisten liegen Fanzines und Ausgaben der Berliner Frauenzeitung Courage aus den Siebziger Jahren, eine grüne Glühbirne leuchtet, Hexenkräuter werden in Einmachgläsern konserviert. Auf einem Stuhl ein angeschlossener E-Bass, mehrere Effektpedale auf dem Tisch in der Mitte. Wir essen Salzgebäck und trinken Kaffee.
In Heterotopia spreche ich mit Lea über Rastlosigkeit, über die Angst vor der Selbstwerdung und über das Bedürfnis sich nicht auf eine einzige Identität festzulegen. Wir reden über Zerrissenheit zwischen verschiedenen Disziplinen, darüber, sich selbst immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen zu stellen, (hier weg) über Menstruationsblut, Binden-Ausstellungen und das Filmen einer Geburt. Wir philosophieren über das Sammeln von Licht, Farben, Begegnungen von Tönen und beleuchten hier die Grenzen zwischen empfundener Euphorie auf der einen und eines Dokumentationszwangs auf der anderen Seite. Wie befreit sich Lea sowohl von einer Einordnung in künstlerische Disziplinen, als auch von dem Festlegen auf eine einzige Identität? Was bedeutet es, wenn sie von Kunst als einem „sozialen Raum“ spricht? Wie verlief ihr Leben bis hierher, was haben die verschiedenen Orte, an denen sie lebte ihr mitgegeben und welche Antworten gab ihr die Zeit in Athen?
Infos:
Lea:
https://artline.org/2021/03/19/corona-studios-ii-lea-torcelli/
http://phyto3031.org
https://www.instagram.com/lei_fluo/

Band:she-dog:
https://she-dog.bandcamp.com

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