Passion Economy

Passion Economy

Passion Economy
23 Minuten
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Der FirstSignals® Podcast zu Trends & Zukunftsthemen

Beschreibung

vor 1 Jahr
Passion Economy


Was bedeutet
die Passion Economy? Nichts Geringeres als eine fundamentale Zeitenwende
für die Art, wie in großen Teilen der Wirtschaft Wertschöpfung realisiert wird.
Größere Aufmerksamkeit bekam der Begriff durch die gleichnamige
Buchveröffentlichung des US-Wirtschaftsjournalisten Adam Davidson in diesem
Jahr. Davidsons Buch handelt von einem Paradigmenwechsel der wirtschaftlichen
Logik. Die lautet seit Beginn des Industriezeitalters: Wie hoch sind meine
Kosten und wie kann ich günstiger als der Wettbewerber sein. Die Logik der
Passion Economy fragt dagegen: Wie besonders ist mein Angebot und wie schaffe
ich damit möglichst großen Nutzen. War das Industriezeitalter des 20.
Jahrhunderts durch Massenproduktion, Arbeitsteilung und Preiswettbewerb
geprägt, lautet das zentrale Prinzip der Passion Economy: Erschaffe etwas, das
nicht leicht kopiert werden kann – ein einzigartiges Angebot durch individuelle
und kreative Selbstverwirklichung.



Damit rückt
die eigene Persönlichkeit, das individuelle Können ins Zentrum des Business,
eng verbunden mit Leidenschaft, Autonomie und Freiheit im Denken. Wer nach
klassischer Businesslogik arbeitet, wird diese Kreativität kaum freisetzen
können – ein Nachteil für große, arbeitsteilige und zu Entscheidungsbürokratie
neigende Organisationen. Weshalb die Treiber der Passion Economy laut
Begriffs-Erfinder Adam Davidson nicht große Unternehmen oder das Silicon Valley
sind, sondern viele Millionen normale Menschen mit ihren ganz eigenen
Fähigkeiten und Vorlieben.


Trotzdem wäre
das explosive Wachstum der Passion Economy ohne die Technik des Silicon Valleys
nicht möglich. Erst mit dem einfachen Zugang zu digitalen Plattformen wie YouTube
oder Instagram entstand eine skalierbare Vermarktungsform – schnell, günstig
und global, die nicht nur den technisch versierten Digitalnomaden offensteht,
sondern allen, die etwas können, das andere brauchen oder mindestens
unterhaltsam finden.


Der
Motivations-Coach, der aus Bali erfolgreich einen YouTube-Channel betreibt. Die
zahlreichen Handwerker- oder Kosmetik-Tutorials. Neue Kochrezepte aus Asien.
Aber auch der metallverarbeitende 3-Personen-Betrieb aus der Uckermark, der
sich auf handgeschmiedete Sicherheits-Tore mit integrierter Videoüberwachung
spezialisiert hat und sein Produkt digital vorstellt, erklärt, mit
Persönlichkeit und Vertrauen auflädt und verkauft.


Die Passion
Economy ist echter Graswurzel-Kapitalismus, voll digital und damit
ortsunabhängig. So fördert sie noch einen weiteren grundlegenden Wandel – die
Entkoppelung von Arbeit und Arbeitsort. Richard Baldwin, Professor of
International Economics der Universität Genf, sieht damit eine Art Immersion
der Globalisierung kommen. Während Lieferketten wieder lokal werden, wächst die
Globalisierung von Dienstleistungen. Statt Gütern ziehen nun Menschen als
digitale Nomaden um den Globus. Er nennt das Phänomen Telemigration.
Eine weitere Folge: Arbeits-, Wohn - und Urlaubsorte werden eins.


Die
fundamentale Zeitenwende aber entsteht, weil das, was die Passion Economy
treibt – persönliche Vorlieben, Leidenschaften und individuelle Talente – die
herkömmliche Arbeitswelt massiv transformiert. Selbstverwirklichung als
sinnstiftende Triebfeder, Next Level Purpose also, und zwar auf gleich zwei
Ebenen:


So wundern
sich Personalverantwortliche schon eine Weile über top-qualifizierte
BerufseinsteigerInnen, die statt Karriere-Vollgas aber lieber nur 30 Stunden
arbeiten wollen, weil sie mehr Zeit für ihre privaten Interessen und Hobbies
verlangen. Oder sie fragen nach Freiräumen im Rahmen des Jobs, um eigene
Projekte zu treiben. Das deutet bereits auf die zweite Transformationsebene –
Mitarbeitende, die ihre Rolle freier und eigenständiger interpretieren und
durch persönliche Handlungsmotive zu erweitern suchen.


Zu diesem
Phänomen forschen schon seit vielen Jahren die Yale-Professorin Amy
Wrzesniewski und Jane E. Dutton, Professorin an der University of Michigan. Sie
machten die Beobachtung, dass nicht die formal definierte Rolle für die Job-Zufriedenheit
und Engagement verantwortlich ist, sondern persönliche Anliegen, die zur
eigentlichen Tätigkeit addiert werden konnten. Sie prägten dafür den Begriff Job
Crafting. Crafting bedeutet das „kunstvolle Anfertigen“, z.B. in einem
Handwerk. Für das beschriebene Phänomen ist „Crafting“ das kunstvolle
Ausgestalten und Erweitern der formalen Rolle durch persönliche Motive –
Selbstverwirklichung im Job.


Passion
Economy meint also nicht nur YoutuberInnen und InfluencerInnen. Es geht um
etwas Grundsätzlicheres, nämlich Arbeit, die mehr ist als nur ein Job. Durch Remote
Work erleben wir gerade, wie Arbeit in unser Privatleben hineinwächst. Die
Passion Economy sorgt für den Gegenstrom: Privates, das in die Arbeit
hineinwächst.


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