Wahnsinn Familie – zwei Romane über die schlimmsten und besten Dinge, die Verwandtschaft mit sich bringt

Wahnsinn Familie – zwei Romane über die schlimmsten und besten Dinge, die Verwandtschaft mit sich bringt

30 Minuten

Beschreibung

vor 3 Jahren
Für die elfte Folge von BRIGITTE Bücher haben sich Angela Wittmann und Meike Schnitzler zwei Familienromane ausgesucht. Der eine ganz nah an unserer Lebenswirklichkeit: „Aus und davon“ von Anna Katharina Hahn erzählt von einer Mutter, eine Auszeit von ihrer Mental-Load zu bekommen. Der andere ein Epos, das in der Zukunft beginnt, aber im Anfang des 20. Jahrhunderts verwurzelt ist: „Das Flüstern der Bäume“ von Michael Christie. Im Jahr 2038 sind Bäume Mangelware. Touristen zahlen viel Geld, um auf einer kanadischen Insel die letzten Reste des Primärwaldes zu bestaunen. Eine der unterbezahlten Waldführerinnen ist die Biologin Jake Greenwood — die nicht ahnt, wie sehr ihre Familiengeschichte mit den alten Douglasien der Insel verwachsen ist. Bis ein Anwalt auf sie zukommt, der Nachforschungen angestellt hat. Der Kanadier Michael Christie blättert in seinem großen Familienroman „Das Flüstern der Bäume“ zurück bis ins beginnende 20. Jahrhundert, erzählt von einem Brüderpaar, dessen Leben von Holz geprägt war, von unfassbarem Reichtum und bitterster Armut, und von einer Kindesentführung besonderer Sorte. Im englischen Original raunt der Titel des Buches weniger esoterisch (er heißt dort „Greenwood“). Ein echter Spannungsroman über die Ausbeutung von Mensch und Natur. (Ü: Stephan Kleiner, 560 S., 22 Euro, Penguin)  In einer vollkommen anderen Welt spielt der Roman, den Angela Wittmann mitgebracht hat: Cornelia ist immer dran: mit Anrufen, Staubsaugen, Geburtstags-Orga, Lehrergesprächen, ein richtiger „Mental Load“-Roman also. Jetzt will sie sich mal nur um sich kümmern und allein durch die USA reisen, um dem häuslichen Burn-out zu entfliehen – und daheim geht alles schief. Die Großeltern sollten auf die Enkel aufpassen, aber Opa hat einen Reha-Schatten und lässt die verzweifelte Oma mit der Verantwortung für eine wilde Teenager-Enkelin und ihren sehr unglücklichen und sehr dicken kleinen Bruder allein. Anna Katharina Hahn erzählt in ihrem erbarmungslos guten Roman „Aus und davon“ vom Ausnahmezustand namens Familie. Das Skypen zwischen dem heulenden Kind in Stuttgart und der Mama in Manhattan wird zum Debakel: „Brunos Unglück quält mich, aber ich will ihm auch entkommen“, sagt Cornelia und versinkt in Selbsthass: „Eine Mutter mit fettem Kind ist ohnehin das Letzte. Dazu noch eine von einem Griechen geschiedene alleinerziehende Mutter.“ Um sich von ihrer Misere abzulenken, forscht sie nach ausgewanderten Vorfahren, bei denen sich ihre Großmutter als Hausmädchen verdingte – bis sie das Heimweh nicht mehr aushielt. (308 S., 24 Euro, Suhrkamp) 

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