Audio #92: 11 hilfreiche Tipps zur Verarbeitung von Strickstoffen für Cardigans

Näh deinen Stil Podcast30.11.20 05:00 Uhr

Wer möchte nicht den perfekten Cardigan nähen? Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit gibt es kaum ein Kleidungsstück, das so beliebt ist (außer vielleicht dem Hoodie, wie ich letzte Woche berichtete). Ein Cardigan kann schnell übergeworfen... von Elle Puls

Wer möchte nicht den perfekten Cardigan nähen? Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit gibt es kaum ein Kleidungsstück, das so beliebt ist (außer vielleicht dem Hoodie, wie ich letzte Woche berichtete). Ein Cardigan kann schnell übergeworfen werden, wenn es frisch ist, und sobald die Heizung bollert wie unlängst in unserem Büro, kann er genau so schnell wieder ausgezogen werden.

Kein Wunder also, dass es unzählige Schnittmuster für Cardigans gibt. Im NDS Club haben wir in diesem Monat einen großen Sew-Along veranstaltet, bei dem 150 Frauen ganz wunderschöne Cardigans genäht haben. Das Tolle an diesen Gemeinschaftsprojekten ist das Schwarmwissen. Es werden unglaublich gute und wertvolle Tipps zur Verarbeitung, Materialien und Pflege miteinander geteilt. Ich freue mich immer über diesen Austausch, denn gerade in der jetzigen speziellen Zeit ist die Verbindung untereinander so wertvoll. Und weil wir im NDS Club so viel Spaß miteinander hatten, gebe ich gern etwas davon an dich weiter und teile die besten Tipps zur Verarbeitung von Cardigans mit dir.

1. Das Wichtigste zuerst: Gestrickte Materialien verarbeiten

Das Allerwichtigste zuerst: wenn du einen Cardigan nähst, achte bitte unbedingt darauf, dass du ein dehnbares Material (=Strick) verwendest. Diese Stoffe gibt es aus verschiedenen Materialien und in unterschiedlicher Dicke. Auch können sie sehr unterschiedlich in der Dehnbarkeit und im Gewicht sein. Achte darauf, ob du Feinstrick, Grobstrick, Jacquardstrick, Sweat , Baumwollstrick oder Viskosestrick verwendest. Sie sind zwar alle dehnbar, jedoch von ganz unterschiedlicher Dicke und unterschiedlichem Gewicht. Das wirkt sich natürlich auf den Fall des Cardigans aus.

HINWEIS: Walkloden und Loden werden sehr gern verwechselt. Dabei ist Walkloden dehnbar, da gestrickt – sicher hast du auch schon einmal die Bezeichnung „Kochwolle“ statt Walkloden gehört. Loden hingegen ist ein gewebter Stoff und eignet sich nicht für Cardigans.

Du siehst: bereits bei der Materialauswahl kannst du das spätere Aussehen deines Cardigans positiv beeinflussen.

2. Grundsätzliche Tipps vor dem Nähen deines Cardigans: Ein paar Worte zu Strick

Je schwerer und grober der Strick, desto schneller kann er ausleiern. Die Passform der Jacke hängt also stark von der Art des Strickstoffs ab. Beachte unbedingt, dass sich die Stoffkante nach dem Zuschnitt sehr leicht ausdehnen und länger werden kann als der Schnitt vorsieht. Ebenso kann der Stoff sich schnell beim Nähen wellen. Der Stoff kann beim Waschen stark einlaufen. Beim Zuschnitt ist es möglich, dass Maschen aufribbeln.

3. Der beste Tipp (nicht nur für Cardigans): An Probestücken ausprobieren

Auch wenn es erstmal nicht so attraktiv klingt, ist das Nähen eines Probestücks einfach Gold wert. Du kannst die Passform und den Schnitt mit einem günstigeren Stoff vorab für dich testen, ohne gleich deinen möglicherweise sehr kostbaren Stoff zu verschneiden. Und wenn alles gut klappt, hast du gleich noch einen zusätzlichen Lieblingscardigan!

HINWEIS: Bitte achte darauf, dass der Probestoff dem Originalstoff in Gewicht und Dicke ähnelt.

4. Schnittmuster vorbereiten

Achte darauf, die Nahtzugabe im Schnitt einzeichnen, wenn sie nicht enthalten ist. Es ist schwierig, mit Kreide die Nahtzugabe auf einem gröberen Strickstoff einzuzeichnen. Ein guter Tipp aus der Praxis: je gröber der Stoff, desto größer fällt die Nahtzugabe aus.

5. Stoff vorbereiten

Je nach Material vorwaschen. Dabei auf links drehen und rundherum grob zusammennähen – so ribbelt nichts auf. Nach dem Waschen sollte Strickstoff im Liegen trocknen, sonst leiert er aus. Und ganz wichtig: Strickstoffe gehören nicht in den Trockner!

6. Zuschnitt

Für einen präzisen Zuschnitt solltest du gröbere Strickstoffe glatt hinlegen ohne zu ziehen, damit sich die Maschen legen können. Die Maschen sollten schön gerade liegen. Du kannst den Stoff leicht in Längsrichtung ziehen, wenn nötig. Die Kanten werden nach dem Zuschnitt mit Sprühstärke leicht verklebt. Das hilft gegen Aufribbeln und Ausfransen (am besten etwas unterlegen, damit nicht die Arbeitsfläche verklebt).

Nach dem Zuschnitt den Stoff nicht bewegen, sondern erst die Kanten abkleben mit Washi Tape (evtl. Prym Wondertape) Alternativ kannst du die Kanten auch mit Nahtband bebügeln. Wenn du mit der Overlock arbeitest, lässt du beim Bekleben die Breite der Overlocknaht frei. Wenn du mit der Nähmaschine nähst: direkt an der Kante kleben, und dann an der Kante entlang nähen.

7. Bügeln

Grundsätzlich vorsichtig bügeln, bzw. das Bügeleisen drüber halten und dämpfen. Achte darauf, das Bügeleisen leicht drüber gleiten lassen und nicht zu schieben. Das verhindert ein Ausleiern des Strickstoffs.

8. Schulternaht verstärken

Damit die Schulternaht beim Tragen nicht ausleiert, solltest du sie mit einem Schulterband (z.B. von Stoff und Stil) oder Nahtband mit Kettstich (Formband) verstärken. Alternativ kannst du auch ein Satinband mitlaufen lassen.

9. Beim Nähen: die kleinen Details, auf die es ankommt

Bevor es endlich losgeht, mache unbedingt eine Nähprobe. Dazu nimmst du einen Stoffrest aus dem Zuschnitt und testest verschieden Stichlängen. Es hat sich gezeigt, dass eine Stichlänge von 3,5 gut funktioniert. Am besten probierst du das aus und stellst ggfs. eine noch größere Stichlänge ein.

Hier kommen noch einige „goldene Tipps“:

  • Füßchen beim Nähen öfter mal anheben
  • Nadel: normal oder bei viel Elasthan eine Jerseynadel
  • Nähfüßchendruck senken
  • Obertransportfuß verwenden
  • Je nach Dicke des Strickstoffs Klammern oder große Stecknadeln für Strickstoffe verwenden.
10. Nähmaschine vs. Overlock

Wenn du eine Nähmaschine verwendest, teste unbedingt eine größere Stichlänge.
Nähst du mit einer Overlock, achte darauf, mit erhöhtem Differential zu nähen. Das verhindert ein ungewolltes Einkräuseln des Stoffes und den „Wellen-Effekt“.

11. Saumverarbeitung

Ein Hinweis, den du bestimmt lieben wirst (falls du ihn nicht schon kennst): Soluvlies in den Saum legen! Du wirst sehen: es näht sich leichter und es gibt Halt. Das Soluvlies sorgt dafür, dass sich der Stoff beim Säumen nicht wellt.

Für eine unsichtbare Saumverarbeitung den Saum abketteln (ggf. Differential erhöhen) und von Hand säumen.

Eine weitere Maßnahme ist es, den Saum zu verstürzen. Für die Ausschnitte und Kanten empfehle ich dir bei dickeren Strickstoffen Belege aus Jersey zu arbeiten. Und zum Schluss die gute Nachricht: bei Walk ist keine Versäuberung erforderlich.

Wie findest du die Tipps aus dem „Schwarm“? Hast du auch noch etwas Tolles, das du mit mir teilen möchtest? Dann kommentiere gerne unter diesem Blogartikel. Ich freue mich, noch weitere Tipps zur Verarbeitung von Cardiganstoffen zu erhalten.

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