Physik der Schwermut von Georgi Gospodinov, gelesen von Aleksandar Radenković

Physik der Schwermut von Georgi Gospodinov, gelesen von Aleksandar Radenković

37 Minuten

Beschreibung

vor 1 Jahr
In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Teil von Georgi Gospodinovs Physik der Schwermut (Droschl Verlag, 2014). Übersetzt von Alexander Sitzmann, gelesen von Aleksandar Radenković.
Der Erzähler von Georgi Gospodinovs Roman leidet an übergroßer Empathie: er kann und muss sich in alles und jeden einfühlen und erlebt dann, was diese anderen erleben – ob das nun sein Großvater am Beginn des 20. Jahrhunderts war, der kleine in ein Labyrinth weggesperrte Minotauros oder eine Schnecke, die gerade verschluckt wird. Aber auch, dass die Zeit unwiederbringlich vergeht, macht ihm zu schaffen; und er geht mit Zeitkapseln dagegen vor: Behälter, in die alles hineinkommt, was für die Gegenwart wichtig ist. Aber was ist wichtig? Zu diesem Zweck wiederum müssen Listen angelegt werden, eine im alten Ostblock bei Kindern und Jugendlichen ohnehin beliebte Praxis ...
Aus zahlreichen kurzen poetischen Kapiteln komponiert Gospodinov einen melancholischen Roman, der – wie oft bei Melancholikern – amüsiert und überrascht, und unterstreicht damit nachhaltig seinen weltliterarischen Rang. Seine Vergegenwärtigung altgriechischer Mythen ist ebenso denkwürdig wie seine Erinnerung an 40 Jahre bulgarischen Kommunismus. Und dass das Festhalten des gegenwärtigen Augenblicks eine vergebliche Aufgabe ist: es hindert ihn nicht daran, sich dieser Aufgabe von Seite zu Seite immer wieder neu zu stellen.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15
:
: