Audio Rechte Netzwerke «im Namen Gottes»

International Podcast19.09.20 07:08 Uhr

Ultrakonservative religiöse Aktivisten vernetzen sich von Washington bis Moskau gegen Geburtenkontrolle und gleichgeschlechtliche Ehe, sie wähnen sich im Kulturkampf gegen eine «liberale Diktatur» im Westen. Ein Beispiel: der «Weltkongress der Familien». von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Dauer: 17:08:00 Ultrakonservative religiöse Aktivisten vernetzen sich von Washington bis Moskau gegen Geburtenkontrolle und gleichgeschlechtliche Ehe, sie wähnen sich im Kulturkampf gegen eine «liberale Diktatur» im Westen. Ein Beispiel: der «Weltkongress der Familien». Mit dem Argument, die göttliche Ordnung zu verteidigen, gründeten amerikanische und russische Aktivisten in den Neunzigerjahren gemeinsam einen «Weltkongress der Familien». Während die UNO mit Programmen zur Geburtenkontrolle die Bevölkerungsexplosion zu bremsen versuchte, sahen die rechten Aktivisten die "natürliche" Familienstruktur bedroht, so wie sie für die Menschen vorbestimmt sei. An ihren Versammlungen ist jeweils vom «Kult der Sünde» und von «moralischer Dekadenz» die Rede, die überwunden werden müssten. Der Schulterschluss über die politischen Grenzen und Konfessionen hinweg hielt gar, als Russland 2014 nach der Annexion der Krim mit westlichen Sanktionen belegt wurde. Der «Weltkongress» in Moskau wurde kurzfristig in «Festival für das Leben» umbenannt, um die Kontakte etwas zu verwischen, der Austausch ging dennoch weiter. Liberale Kritiker sind alarmiert, warnen vor Angriffen auf die pluralistische Gesellschaftsordnung, der Leugnung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. In Russland sind unter den Sponsoren der Bewegung ein enger Putin-Vertrauter und ein Oligarch, der sich das Zarenreich zurückwünscht. Die religiösen Rechten sehen im russischen Präsidenten, der selbst die "konservative Wende" propagiert, einen Hoffnungsträger. Ist die Bewegung gar Teil einer gezielten Strategie des Kremls, den Westen zu schwächen? Offizielle Unterstützung fand der "Weltkongress der Familien" aber auch ausserhalb Russlands, so in Polen, Ungarn. Ja selbst in Italien: als der "Weltkongress" 2019 in Verona stattfand, erschien der Rechtspopulist Matteo Salvini, damals italienischer Innenminister, persönlich und wetterte gegen Feministinnen. Gleichzeitig gab es lautstarken Protest: eine bunte Menge demonstrierte in Verona ausgelassen gegen das Netzwerk der religiösen Rechten mit dem Gegenargument: die Grundlage der Familie sei nicht die Bibel sondern die Liebe.
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