013: It’s my Kiez and I plant if I want to

013: It’s my Kiez and I plant if I want to

In Hannover startet mit dem Nordstadtgarten ein Projekt, das die Bewohner des Universitätsstadtteils näher zusammenbringen soll. Imke und Savannah berichten von der Kick-off-Veranstaltung.
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Campusradio Hannover: Laut. Leise. Läuft.

Beschreibung

vor 5 Jahren
Wer schon länger Hannover sein Zuhause nennen darf, der weiß, dass man auf die Frage „Wo wohnst du?“ nicht einfach mit „Hannover“ antwortet. Echte, passionierte Hannoveraner wohnen nicht in Hannover, sie wohnen in Kleefeld, in der Südstadt, der List oder Linden-Limmer. Diese Art der Stadtteilliebe sollte jeden ereilen, der nur lange genug durch seinen Bezirk geirrt und seinem Charme verfallen ist. Wir alle haben diese Liebe mal erlebt. Bei den meisten von uns zeichnet sie sich wohl vor allem, wie jede anfängliche Flirterei, durch bedingungslose Zuneigung aus, trotz der offensichtlichen Fehler. Da werden schon mal die schlechte Bahnanbindung oder die dreckigen Straßen übersehen. Aber wahre, leidenschaftliche Stadtteilliebe, das wirklich ernste Ding, sieht ganz anders aus. Die haben Savannah und Imke nämlich vor einigen Wochen selber miterleben können. Wilhelm lebt seit fast 20 Jahren in der Nordstadt, und er möchte seine Nachbarschaft noch idyllischer gestalten. Zusammen mit anderen Nordstadtfreunden bildete er vor einiger Zeit den Nordstadtgarten – eine Initiative, die den Stadtteil Stück für Stück in Hannovers Urban-Gardening-Eldorado verwandeln soll. Palettengarten in Linden 2012 hat Linden mit einem Palettengarten den Anfang gemacht (Bild), nun zieht die Nordstadt nach. (Nifoto, CC-BY-SA 4.0) Das Urban Gardening, ein Trend der in Großbritannien seinen Anfang nahm, erobert seit Längerem auch deutsche Großstädte. Vor allem der Wunsch nach regionaler Ernährung und dem kurzweiligen Entkommen des Großstadttrubels scheint der Grund für die große Bewegung zu sein. Dabei setzt der Nordstadtgarten aber ganz andere Prioritäten. Natürlich ist es ein netter Nebeneffekt, wenn die Luft etwas frischer wird, wenn unsere Straßen grüner und die Tomaten auf unseren Tellern pestizidfrei sind. Wilhelm und seine Freunde suchen aber vor allem den Austausch mit anderen Bewohnern, die hier genauso gerne wohnen wie sie. Ein bisschen weniger Anonymität, ein bisschen mehr Vorstadtcharme. Wilelm: „Wenn man es in einem Stadtteil schaff, dass man seinen Nachbarn kennt und auch beim Namen nennt, dann wird es noch ein Stück weit lebenswerter. Das ist es, was wir erreichen wollen.“ Während des ersten Urban-Gardening-Workshops, den der Nordstadtgarten veranstaltete, wurden Berliner Beispielprojekte wie das im Görlitzer Park genannt. Bei Keksen und Kaffee, zwischen Theaterrequisiten und Bühnenteilen, baute sich die Gruppe einen kleinen Stuhlkreis zusammen. Das Treffen fand an einem regnerischen Sonntag Ende Februar im Atelier UnArtig statt. An diesem Tag fanden sich acht Teilnehmer zusammen, von der Studentin bis zur Bezirksbürgermeisterin. Doch hinter ihnen stehen noch viele weitere Nordstadtenthusiasten, die theoretisch gerne zur Schippe greifen würden, wenn da nicht die Planerei und Verantwortung wäre. Die größte Herausforderung sieht Wilhelm in der Aktivierung dieser Menschen: „Wie kriegt man Anwohner dauerhaft zu einem Engagement für ihren Stadtteil und für ihr Wohnumfeld, um auch ihre Nachbarn kennenzulernen? Da kam die Idee mit dem Urban Gardening auf.“ Um das zu schaffen, hat sich die Gruppe bereits drei Projekte für 2016 vorgenommen, bei denen sich jeder problemlos einbringen kann. Eines davon betrifft die Patenschaften der Baumscheiben am Engelbosteler Damm. Die kleinen Grünflächen zwischen Straße und Bürgersteig sollen in Zukunft von Privatpersonen gepflegt und nach eigenen Wünschen gestaltet werden. Eine witzige Idee für Hausgemeinschaften etwa, die sich noch näher kennenlernen möchten. So erhofft es sich zumindest die Gruppe. Daneben arbeitet der Nordstadtgarten bereits am Aufbau von Hochbeeten, in denen später einmal Holunder, Quitte und Beeren wachsen sollen. Initiator dieses Projekts war der Betreiber von Hannover Gin, der eines Tages die Erträge auch zu Gin verarbeiten möchte. Was allerdings nicht bedeuten soll, dass die Bewohner leer ausgehen. Neben Hannover Gin sind auch die Betreiber vom Café 24 Grad am E-Damm Freunde des Projekts. Schönere Straßen und aktive Nachbarn sorgen schließlich auch für mehr Leben und mehr Geschäft im Gebiet. Drittens berichtete Wilhelm von der geplanten Bepflanzung der Asternwiese. Wenn alles nach Plan läuft, soll hier einmal ein gemeinschaftlicher Garten entstehen, an dem nicht nur die Nordstadtgärtner, sondern auch Kita-Kinder oder die Bewohner von Flüchtlingsheimen ihren Spaß haben werden. Bis dahin müssen allerdings noch Genehmigungen eingeholt, die Wasserversorgung geklärt und Materialien gesammelt werden. Ziel des Workshoptages war es, die großen Fragen zur Umsetzung der Projekte 2016 zusammenzutragen: Was brauchen wir? Wo bekommen wir die Hilfe oder die Ressourcen? Welche Gewerbetreibende können wir mit ins Boot holen? Womit fangen wir an? Schon im März machten sich die Gärtner dann an den Aufbau der Hochbeete. Wer Lust hat, mit in der Erde zu wühlen und die Nordstadt zu begrünen, wendet sich am besten an die Facebook-Seite vom Nordstadtgarten, dort findet ihr Infos zum Stand der Projekte und künftige Termine: https://www.facebook.com/Nordstadtgarten/

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