Audio #4 Constcast- 'Erinnerung die trügt'

ConstCast Podcast09.09.19 18:28 Uhr

#4 Constcast- 'Erinnerung die trügt' von Constantin Meller

Dauer: 00:44:55

Erinnerung die trügt

1975 wird der Gedächtnisforscher Donald Thompson beschuldigt eine Vergewaltigung an einer Frau begangen zu haben, da sie ihn als Täter beschreibt.

Alibi, da er an dem Abend live in einer Talkshow zu Gast war.

Das Gedächtnis der Frau hatte ihr selbst durch die traumatische Erfahrung einen Streich gespielt, da sie Ihn zuvor in besagter Liveshow gesehen hatte.

In den vergangen Jahrzehnten finden Wissenschaftler immer mehr darüber hinaus, wie man sich erinnert. Dabei auch, dass wir nicht nur vergessen, sondern unsere eigenen Erinnerungen verzerren und verändern. Noch schlimmer sogar, uns an Dinge erinnern zu glauben, die nie geschehen sind.

Man könnte meinen, das hätte die Evolution doch besser hinbekommen müssen, da ist uns die von Menschenhand geschaffene Technologie doch schon meilenweit voraus? Oder etwa nicht?

Daniel L. Schacter Psychologe von der Harvard University spricht über diese Fehlleistungen wie über Sünden. Er nennt sie auch so, 7 an der Zahl

Vergänglichkeit

Geistige Abwesenheit

Geistige Blockade

Fehlerhafte Anordnung/ Fehlattribution

Suggestibilität

Vorurteil

Persistenz

Diese solle man aber nicht als Fehler aufgreifen, was bei dem Wort Sünde etwas schwierig ist.

Vergänglichkeit, Abwesenheit und Blockade kennt man nur zu gut.

Man vergisst Dinge einfach und die Erinnerung verschwindet, man trinkt am Brötchen und beißt ins Bier (Bud Spencer) oder man kommt einfach nicht auf den Namen der neuen Freundin seines Kollegen.

 

Die meisten unserer Gedächtnisfehler beruhen auf der zweiten Sünde, der geistigen Abwesenheit, manchen Dingen schenkt man nicht genügend Aufmerksamkeit, sodass es das Gehirn als unwichtig ansieht und die Information somit nicht gespeichert wird.

 

Die erste Sünde der Vergänglichkeit, Erinnerungen die man nicht regelmäßig abruft, verblassen mit der Zeit, was uns auch ungemein hilft, da so unnötige und überholte Informationen vergessen werden können. Wenn man sich alles merken könnte oder müsste, dann würde das Gehirn dauerhaft mit unnötigen Informationen geflutet werden, was nicht unbedingt zu einem klaren Kopf führt. Mensch der sich an alles erinnern konnte (Solomon Shereshevsky)

Ihm viel es schwer abstrakt zu denken, Inhalte zu ordnen oder bewerten.

 

Immer wieder trifft uns ein Problem, wie hieß nochmal der Schauspieler aus dem Film mit dem Mann der den Typ mit der Karotte absticht. Es liegt mir doch auf der Zunge normal weiß ich das.

Das ist die dritte Sünde, die Blockade eigentlich auch nur ein sinniger Mechanismus um uns das Denken und erinnern zu vereinfachen, die abrufinduzierte Hemmung. Dabei werden gezielt Erinnerungen gehemmt, die in einer Situation nicht wichtig sind.

Somit wird unser Gehirn bei einem Gespräch nicht mir unnötigen Erinnerungen geflutet.

 

Doch kann ich meinen Erinnerungen trauen, wenn ich mich dann erinnert habe.

Das Gedächtnis verknüpft alte Erinnerungen mit aktuellen Gefühlen und Wissen, sie passen sich somit an. Ist man glücklich, sind die Erinnerungen auch rosiger, ist man traurig, ist alles Matt und Doof, so könnte man meinen, dass es schon immer so war.

Doch auch Vorurteile können unser Gedächtnis auf die Schippe nehmen, US-Amerikaner glauben eher bei Afroamerikanischen Namen, diese schon einmal in Verbindung mit einer Straftat gehört zu haben, als Bei Europäischen Namen.

Es geht aber noch extremer, so kann es passieren, wie im Beispiel Donald Thompson, der fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigt wurde, dieses Ereignis nennt man Fehlattribution, also das verbinden einer Erinnerung mit einer falschen Person, Zeit oder dem falschen Ort.

Die Ursache dafür liegt darin, dass sich das Gehirn versucht immer nur das nötige zu merken und meist das Erlebnis im Vordergrund steht und nicht die Quelle dieser Erinnerung (Ich weiß nicht mehr wer mir das erzählt hat, aber man verändert seine Erinnerungen.)

Alle genannten Fehlleistungen treten im alter häufiger auf.

Suggestibilität ist auch eine sehr gefährliche Sünde, hierbei scheint man sich an Dinge zu erinnern, die niemals geschehen sind. Eines der bekanntesten Beispiele ist die „Lost in the Mall“ Studie, bei der dem ein Junge von seinem Bruder nach einem Ereignis gefragt wurde und ob sich selbiger noch daran erinnern könne, bei dem er in jungen Jahren einmal in der Mall verloren gegangen sei. Doch obwohl das niemals passiert war, konnte sich der Junge nach einigen Tagen scheinbar daran erinnern, sogar wie der Mann aussah der ich zurück brachte.

Wissenschaftler entdeckten, dass sich Menschen dahingehend manipulieren ließen, sich an Dinge zu erinnern, die nie geschehen waren. Das funktioniert auch mir Hypnose und Trauminterpretation.

Tatsächlich wirken sich auch Veränderungen der Erinnerungen auf den aktuellen Zeitraum aus, Leuten denen „eingeredet“ wurde, sie haben als Kind nicht gerne gekochte Eier gegessen, aßen weniger danach.

 

Jedoch können einem auch dominanten Erinnerungen Probleme bereiten, die fest sitzen und einfach nicht kontrollierbar sind. Diese Persistenz trifft oft auf traumatische Erlebnisse zu.

Emotionale Erlebnisse lassen unsere Erinnerungen lebhaft werden, das heißt, dass wir dazu ein Gefühl bekommen, dieses Phänomen lässt sich auf das emotionale Lernen zurückführen.

Quellen:

https://www.dasgehirn.info/denken/gedaechtnis/vom-vergessen-und-falschen-erinnern

https://gedankenwelt.de/die-7-suenden-des-gedaechtnisses-laut-daniel-schacter/

 

 

 

 

 

 

 


 


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