Audio Wie essen Sie einfach gesund?

Gesünder mit praktischer Medizin Podcast26.05.19 13:00 Uhr

Prof. Dr. med. Harald Schmidt von Prof. Dr. med. Harald Schmidt

Dauer: 00:37:18

Heute geht es darum, was macht nun eigentlich eine gesunde Ernährung aus, als Teil einer Serie zum Thema Ernährung allgemein //  


Bisher?
  • Zucker so wenig wie möglich, cave Fruchtzucker, pseudo-gesunde Zucker (Honig, brainer), versteckt

  • Cholesterin (Nahrung?, Senker ja), Vorsicht fettarm

  • Salz 2-phasig

  • Vitamine: einige wenige wie Folsäure, viele nicht, auch nicht Vit. D

  • Sonstige Nahrungsergänzungsmittel nicht


Offene Themen
  • Überernährung / Diäten und Abnehmen (nächster Podcast)

  • Mangelernährung

  • Ungesund

  • Gesund


Mangelernährung

(Koch et al. 2009)


In Deutschland?

Wohlstandserkrankungen wie Adipositas und Diabetes wahrgenommen,

In Deutschland 1,5 Millionen mangelernährte Menschen überrascht.


Nicht sichtbar in der Mitte der Gesellschaft, sondern in

  • Krankenhäusern

  • Altenheimen, und anderen geriatrischen Einrichtungen.


Deutsche Krankenhäuser

Patienten in Deutschland leiden an Unter- und Mangelernährung während dem Klinikaufenthalt.

  • Alle 25 %

  • Geriatrischen Patienten mehr als 50 %

(Pirlich et al. 2006)


Medizinische Ursachen
  • Nahrungsdefizit

    • Alkoholismus

    • Schlechte Nahrungsqualität, Armut

  • Aufnahme/Verwertung:

    • Schluckstörung, Schlechter Zahnstatus

    • Malabsorption/Maldigestion

    • Lebererkrankungen

  • Verbrauch erhöht: Konsumierende/chronische Grunderkrankung

  • Psychisch/Hohes Alter

    • Depression, Schizophrenie

    • Demenz, Anorexie


*45 Jahre alte Mutter und ihre 18 Jahre alten Zwillingstöchter, Wien, https://www.welt.de/vermischtes/article194040337/Oesterreich-Mutter-und-Toechter-in-Wiener-Wohnung-verhungert.html


Organisatorische Hauptursachen
  • Die Qualität der Krankenhauskost/Budget: 5€/Tag pro Patient

  • Fehlender Fokus auf Ernährungsmedizin schon bei der Aufnahme und während der Therapie in Form eines einfachen Ernährungs-Screenings.
    Fachwissen und Personal fehlt


  • Folgen:
  • Gestörter Immunfunktion, Wundheilungsstörungen

  • Höhere Komplikationsrate

  • Langsamere Genesung, Verlängerte Klinikaufenthalt: 9 Milliarden € pro Jahr

  • Höhere Morbiditätsrate

  • 25% der Tumorkranken versterben an Mangelernährung

  • (Koch et al. 2009)

    (Löser 2010)


    Ungesund?
    Fertiggerichte

    Probanden, 4 Wochen

    • stark prozessierte Mahlzeiten nahmen zu;

    • frisch zubereitete Mahlzeiten nahmen im gleichen Maße ab

    Mahlzeiten waren in puncto Kaloriengehalt, Fett, Zucker, Salz, Ballaststoffe und Makronährstoffe gleich

    Lösten dennoch ein unterschiedliches Essverhalten der Studienteilnehmer aus: Veranlassen Menschen mehr zu essen:

    • Essgeschwindigkeit,

    • Menge an verzehrten Getränken

    • Leicht unterschiedlichen Proteingehalts (Proteinmenge ist entscheidender für die Sättigung und Appetitregulation als die aufgenommene Kalorienmenge)

    • Kalorien in kleinerem Volumen

    • Sensorische Wahrnehmung (Geschmack, Geruch und Aussehen): ersten Eindruck über Kaloriengehalt; bei Fertigprodukten Diskrepanz, mehr Kalorien im Essen als wir denken;   zudem sehr schmackhaft, sodass reine angenehm Sättigung durch stärkeres Belohnungssystem ersetzt.


    (Hall et al. 2019)

    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/103131/Fertiggerichte-lassen-Menschen-mehr-essen?rt=1a4de108bdd9eaa017796fea2309dd74

    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1550413119302487?via%3Dihub


    Konsequenz:

    • In D 10% der Menschen frühzeitiger Tod HKL-Erkrankungen, Krebs und Diabetes

    • Noch einmal Lebensqualität krankheitsbedingt vermindert ist (DALY).


    (Afshin et al. 2019)

    https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(19)30041-8/fulltext


    Fleisch- und Wurstwaren
  • Rotes Fleisch erhöhtes Risiko für Gesamt-Sterblichkeit, v.a.

  • Krebs: immer mehr junge Menschen (v.a. 20-29 J) erkranken an Darmkrebs; bei 50-Jährigen rückgängig durch Screening; screening Alter auf 45 senken

  • HKL

  • Ersatz durch andere Proteinquellen geringeren Sterblichkeitsrisiko.

  • (Pan et al. 2012)


  • Ursachen Krebs:

    • Alkoholkonsum

    • Verzehr von verarbeitetem Fleisch = „vermutlich krebserregend“ (IARC = International Agency for Research on Cancer)

    https://www.iarc.fr/wp-content/uploads/2019/05/pr272_E.pdf

    https://www.thelancet.com/journals/langas/article/PIIS2468-1253(19)30147-5/fulltext

    https://gut.bmj.com/content/early/2019/04/16/gutjnl-2018-317592


    b) Ursachen HKL:

    • Langkettige gesättigte Fettsäuren

    • Trimethylamine N-oxide, or TMAO Stoffwechselprodukt aus rotem Fleisch: schwere bis tödliche HKL-Ereignisse, Herzversagen, chronisches Nierenversagen


    TMAO aus Lebensmitteln mit Cholin und L-Carnitin (Fleisch, Energy Drinks, Eiweiß-Shakes). Darmbakterien bauen ab zu Gas namens Trimethylamin (TMA), Leberenzyme produzieren dann TMAO. Interagiert mit LDL-C, erklärt, warum nicht jeder mit erhöhtem LDL-C am HKL System erkrankt.


    L-Carnitin auch in Geflügel, Fisch, Milchprodukten und Eigelb, aber rotes Fleisch besonders reich. Rotes Fleisch verändert auch die Darmflora tu TMA-produzierenden Bakterien; umgekehrt durch vegetarische oder weißes Fleisch. Ohne diese kein TMAO.


    Fisch auch viel L-Carnithin: Fisch ≠ Fisch, Die überwiegende Mehrheit der Fische, einschließlich häufig gegessener Sorten wie Barsch, Wels, Forelle und Zander, enthalte kein TMAO, ungünstig sind bestimmte Tiefseesorten wie Kabeljau, Schellfisch und Heilbutt.

    https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/JAHA.116.004947

    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109714059701?via%3Dihub

    https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCRESAHA.116.305360


    Gesund?
    Mediterrane Diät

    Das traditionelle Ernährungsmuster des Mittelmeers ist von besonderem Interesse, da in den 1960er Jahren festgestellt wurde, dass in Ländern des Mittelmeerraums wie Griechenland und Italien (aktuell aber Spanien!) die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu nordeuropäischen Bevölkerungsgruppen oder den USA niedriger war.

    Angenommen auf unterschiedliche Essgewohnheiten zurückzuführen.


    30 RCTs, meist primär-Prävention, 12,461 Teilnehmer


    Trotz der relativ großen Anzahl von Studien, die in diesem Aufsatz enthalten sind, besteht immer noch eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen einer mediterranen Ernährung auf die klinischen Endpunkte und die CVD-Risikofaktoren sowohl für die Primär- als auch für die Sekundärprävention.


    Die Evidenzqualität für den geringen Nutzen von CVD-Risikofaktoren in der Primärprävention ist gering oder mäßig, wobei nur wenige Studien über minimale Schäden berichten.


    Es gibt nur wenige Anhaltspunkte für eine Sekundärprävention.


    (Rees et al. 2019)

    https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009825.pub3/full?highlightAbstract=mediterranean%7Cwithdrawn%7Cdiet


    Ballaststoffe

    Meta-Analyse Wesentlicher Faktor der Lebenserwartung


    185 Beobachtungsstudien mit Daten, die sich auf 135 Millionen Personenjahre beziehen,

    und 58 klinische Studien mit 4.635 erwachsenen Teilnehmern.

    Vorzeitige Todesfälle durch und die Inzidenz von

    • koronarer Herzkrankheit,

    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

    • Schlaganfall

    • Typ-2-Diabetes

    • Krebserkrankungen, Darmkrebs Brust-, Endometrium-, Ösophagus- und Prostatakrebs.

    Nur Studien mit gesunden Teilnehmern

    Nicht auf Menschen mit bestehenden chronischen Erkrankungen übertragbar.


    In einem Satz:

    Erhöhung der Ballaststoffe, Ersatz von raffinierten Körnern (Weißmehl) durch Vollkorn.

    https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31809-9/fulltext

    (Reynolds et al. 2019)


    Widerspricht aktuellen Low-Carb-Diäten: Atkins, Keto


    Ideal niedriger oder mittlerer Glykämischer Index plus reich an löslichen Ballaststoffen.

    Langsam aufgenommene kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit niedrigere GI:

    • Verschiedene gekochte getrocknete Bohnen wie Linsen und Kichererbsen

    • braune Spaghetti

    • Parboiled-Reis

    Schnell aufgenommene Kohlenhydrate mit hohem GI:

    • Frühstückszerealien wie Cornflakes

    • Reife Bananen

    • Kartoffelpüree (nicht übrigens Bratkartoffeln aus erkalteten gekochten Kartoffeln).


    Zwei Arten:

    • Lösliche Ballaststoffe vor allem in Obst und Gemüse

    • Unlösliche Ballaststoffe vorwiegend in Getreide und Hülsenfrüchten; v.a. für die Aufrechterhaltung der Magen-Darm-Gesundheit, geringer Effekt auf Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel.

    (Mann 2001)

    https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2731599


    Status in D:

    Nur ein Bruchteil der gesunden Personen in Deutschland ernährt sich gesund, frisch und ausgewogen.

    • Nur 40 % der Deutschen kochen jeden Tag selbst,

    • Ca. 30 % essen täglich Fleisch- und Wurstwaren

    • Ca. 10% Diabetes

    https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Ernaehrungsreport2019.html


    Literatur

    Afshin, Ashkan, Patrick John Sur, Kairsten A. Fay, Leslie Cornaby, Giannina Ferrara, Joseph S. Salama, Erin C. Mullany, et al. 2019. “Health Effects of Dietary Risks in 195 Countries, 1990–2017: A Systematic Analysis for the Global Burden of Disease Study 2017.” The Lancet 393 (10184): 1958–72.

    Hall, Kevin D., Alexis Ayuketah, Robert Brychta, Hongyi Cai, Thomas Cassimatis, Kong Y. Chen, Stephanie T. Chung, et al. 2019. “Ultra-Processed Diets Cause Excess Calorie Intake and Weight Gain: An Inpatient Randomized Controlled Trial of Ad Libitum Food Intake.” Cell Metabolism, May. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2019.05.008.

    Koch, Alexander, Edouard Sanson, Christian Trautwein, and Edmund Purucker. 2009. “Mangelernährung Im Krankenhaus: Prävalenz, Ursachen Und Konsequenzen.” Ernährung & Medizin. https://doi.org/10.1055/s-0029-1239944.

    Löser, Christian. 2010. Unter- und Mangelernährung: Klinik - moderne Therapiestrategien - Budgetrelevanz. Georg Thieme Verlag.

    Mann, J. 2001. “Dietary Fibre and Diabetes Revisited.” European Journal of Clinical Nutrition 55 (11): 919–21.

    Pan, An, Qi Sun, Adam M. Bernstein, Matthias B. Schulze, Joann E. Manson, Meir J. Stampfer, Walter C. Willett, and Frank B. Hu. 2012. “Red Meat Consumption and Mortality: Results from 2 Prospective Cohort Studies.” Archives of Internal Medicine 172 (7): 555–63.

    Pirlich, Matthias, Tatjana Schütz, Kristina Norman, Sylvia Gastell, Heinrich Josef Lübke, Stephan C. Bischoff, Ulrich Bolder, et al. 2006. “The German Hospital Malnutrition Study.” Clinical Nutrition  25 (4): 563–72.

    Rees, Karen, Andrea Takeda, Nicole Martin, Leila Ellis, Dilini Wijesekara, Abhinav Vepa, Archik Das, Louise Hartley, and Saverio Stranges. 2019. “Mediterranean-Style Diet for the Primary and Secondary Prevention of Cardiovascular Disease.” Cochrane Database of Systematic Reviews  3 (March): CD009825.

    Reynolds, Andrew, Jim Mann, John Cummings, Nicola Winter, Evelyn Mete, and Lisa Te Morenga. 2019. “Carbohydrate Quality and Human Health: A Series of Systematic Reviews and Meta-Analyses.” The Lancet 393 (10170): 434–45.

    Zusammenfassung: //  
    • Unterernährung Alter und Kranker: Besuchen, kümmern!

    • Gesund essen einfacher als man denkt

    • Nur so viel wie man verbraucht (sonst Überernährung)

    • Mediterran naheliegend, aber nicht überzeugend

    • Kohlenhydrate verbannen (Atkins und Keto) unangenehm und zum Glück nicht überzeugend

    • Ballaststoffe ja! Und zwar sowohl die löslichen und unlöslichen

      • Lösliche Ballaststoffe vor allem in Obst und Gemüse

      • Unlösliche Ballaststoffe vorwiegend in Getreide (Vollkorn! Unterschied zu Mediterran: Weißbrot, Hartweizennudeln, Pizza) und Hülsenfrüchte

    • Nichts Prozessiertes, und schon gar nicht so viel Fleisch, und schon gar nicht rotes.

    • Fisch etwas komplizierter: Barsch, Wels, Forelle und Zander, enthalten kein TMAO, ungünstig sind bestimmte Tiefseesorten wie Kabeljau, Schellfisch und Heilbutt.

    • Nochmal:

      • Essentiell und gesund:

        • Gemüse

        • Hülsenfrüchte

        • Obst (in Maßen Fruchtzucker!)

        • Getreide Vollkorn

      • Alles andere optional

        • Eiweiß eher Fisch

      • Vermeiden:

        • Rotes Fleisch, Energy drinks, Protein shakes

        • Zucker

        • Nahrungsergänzungsmittelchen, eher schädlich

      • Verboten:

        • Nichts

        • dann aber klar “das war ungesund”

        • nur in Maßen und selten (Selbstdisziplin => Belohnungskick!)

      • Nur soviel wie verbraucht

        • Reparatur und Hilfsmittel zum Halten: Diät (nächster Podcast) //


    Pharma-Song: //  

    Heutiger Song:
    • Monica Rydell

    • 2012 Album “Multicoloured Children”

    • Titel “Healthy Food”

    • Zitat: “everyday

      • an apple,

      • two carrots there for you,

      • broccoli,

      • bananas (nicht zu reif) and

      • potatoes (eher Pellkartoffel, kalt, wieder warm) too”

    Links:  https://music.apple.com/de/album/healthy-food/557784505?i=557784575&l=en

    http://genre360.com/app/track/11151729/Healthy+Food  //  


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