Generalaudienz: Papst hofft auf friedliches Zusammenleben in der Türkei

Generalaudienz: Papst hofft auf friedliches Zusammenleben in der Türkei

Beschreibung

vor 9 Jahren
00:04:29:47 Papst Franziskus hat bei der Generalaudienz Rückschau
auf seine Reise in die Türkei gehalten. Vor den rund 10.000 Pilgern
und Besuchern, die sich trotz Regens auf dem Petersplatz
eingefunden hatten, bedankte sich der Papst öffentlich beim
türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem Premierminister
Ahmet Davutoglu, bei den türkischen Bischöfen und Katholiken sowie
beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, dem die Reise in
erster Linie galt. Der erste Tag habe der Politik gegolten; in der
Verfassung der Türkei mit ihrer fast ausschließlich muslimischen
Bevölkerung sei die Trennung von Staat und Religion festgehalten,
erklärte Franziskus. „Wir haben mit den Autoritäten über Gewalt
gesprochen. Es ist das Vergessen Gottes, nicht seine
Verherrlichung, die Gewalt hervorbringt. Deshalb habe ich darauf
bestanden, dass Christen und Muslime sich gemeinsam für
Solidarität, Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, und dass jeder
Staat seinen Bürgern und Religionsgemeinschaften echte Kultfreiheit
und Ausübung ihres Glaubens gewährleisten muss.“ Franziskus verwies
an dieser Stelle auch auf die christlich-muslimische Dialoggruppe,
die unter der Leitung des Päpstlichen Dialogrates heute im Vatikan
tagt; der Papst hatte die Gruppe vor der Generalaudienz begrüßt. Am
zweiten Tag der Visite hatte Franziskus in Istanbul unter anderem
die Blaue Moschee und das Museum Hagia Sophia aufgesucht, „einige
Symbolorte der verschiedenen Konfessionen“, sagte Franziskus bei
der Generalaudienz. Während dieser Besuche habe er „im Herzen die
Anrufung des Herrn verspürt, Gott des Himmels und der Erde,
barmherziger Vater der ganzen Menschheit“. In der Blauen Moschee
hatte der Papst an der Seite des Muftis Rahmi Yaran eine Zeit lang
mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen verharrt. An gleicher
Stelle hatte auch Papst Benedikt XVI. bei seiner Türkei-Reise 2006
innegehalten, ohne dabei aber die Hände zu falten. Mittelpunkt des
Tages sei eine Heilige Messe mit Gläubigen und Würdenträgern der
verschiedenen katholischen Riten in der Kathedrale gewesen, fuhr
Franziskus fort. „Das Volk Gottes ist im Reichtum seiner
Traditionen und Äußerungen dazu gerufen, sich vom Heiligen Geist
leiten zu lassen, in einer beständigen Haltung der Öffnung und des
Gehorsams. Das ist unser Weg des ökumenischen Dialogs und auch
unsere innere Einheit als katholische Kirche – der, der alles
macht, ist der Heilige Geist. Unsere Aufgabe ist es, ihn machen zu
lassen, ihn aufzunehmen und seinen Eingebungen zu folgen.“ Am
dritten Tag: das Fest des Apostels Andreas, Patron der orthodoxen
Kirche – der „ideale Anlass, um die brüderlichen Beziehungen“ zu
bestärken, die „zwischen dem Bischof von Rom, Nachfolger des
Petrus, und dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel,
Nachfolger des Andreas", bestehen. „Ich habe mit Seiner Heiligkeit
Bartholomaios I. die gemeinsame Verpflichtung erneuert, auf dem Weg
der Wiederherstellung der vollen Einheit zwischen Katholiken und
Orthodoxen voranzuschreiten.“ Die gemeinsame Erklärung, die der
Papst und der Patriarch nach der Göttlichen Liturgie
unterzeichneten, sei ein weiterer Markstein auf diesem Weg, sagte
Franziskus. Besonders berührt habe ihn die letzte Begegnung dieser
Reise, bekannte der Papst auf dem Petersplatz. Sie galt einer
Gruppe Jugendlicher Flüchtlinge überwiegend aus Syrien und Afrika,
die von Salesianerpatres in Istanbul betreut werden. „Das war sehr
wichtig für mich, einige Flüchtlinge aus den Kriegszonen des Nahen
Ostens zu treffen. Ich wollte ihnen meine Nähe und die der Kirche
ausdrücken und auch den Wert der Aufnahme von Flüchtlingen
unterstreichen, wobei die Türkei sich sehr engagiert hat. Ich danke
einmal mehr der Türkei für die Aufnahme so vieler Flüchtlinge und
auch den Salesianern, die dort diese schöne, versteckte Arbeit mit
den Flüchtlingen leisten.“ Zum Schluss gab Franziskus seiner
Hoffnung Ausdruck, dass die Türkei zum „Ort des friedlichen
Zusammenlebens zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen“
werden möge. (rv 03.12.2014 gs)

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