Lobeshymne auf einen treuen Herzensbruder

Lobeshymne auf einen treuen Herzensbruder

Beschreibung

vor 15 Jahren
Die Wesensart eines Freundes,
das nie verblassende Antlitz gewogen in Mnemosyne's Schoß, das selbst noch auf dem Totenbette im Gemüte prangt.

Des Freundes' Treueband löst sich nimmer.




Die prangendsten Blumengärten
meiner Jugend bewanderte Fährten
nenn' ich jene, die mir hochbetaget
im greisen Geiste duftend noch verharren ...

Eingesackt in des Totenbettes bleichem Kissen,
im Schoße ruhend, die knöchernen Hände, tief eingerissen,
das faltendurchzogene Antlitz trübsalszernaget
und den laugen Blick unter arthrotischem Knarren
morscher Halswirbel gen Himmel aufrichtend,
der grünenden Jugend entlegener Küste sichtend,
seufzend auf ein Letztes ich gedenke :

Ihr ward
meiner Jugend Pfad
säumende Rosenbeete
Eure tröstende Freundschaftsrede
die munt'ren Quellen irdischer Wonnen...

...und krafterschlaffend mich dann senke
ins weiche Federfüllen, paradiesisch besonnen.

Denn ein Freund
schäumt
überfließend beherzte Worte,
Silbenwölkchen wie Gold-Stäubchen

Säumt
und bäumt
auf kahler Festtagstorte
kräuselsprießend Sahnehäubchen

Redeblüten
auf Briefpapier im Übermaße ausgestreut
mit zartem Wortschmelz rieselnd übertäut
erfrischen müden
Kämpfergeist mit Pollenduft der geistigen Heimatlüfte


Erfaßt
die krallend' Hand
beim Sturze in des Schicksal's Felsgeklüfte,
verblaßt
mit tränenwallendem Augenrand
wenn selbst das Herz im Trauerstrudel bangt,
zerreißt sogleich das ascherne Sorgengewand
wenn grämender Mienenzug zu neuem Glanz erlangt


Tadelung im Flüsterton
anstatt der Leute Megaphon

Ruhebänkchen auf steilem Hang
Laternenschein auf Heimatgang

Zisterne für die salz'gen Augenbäche
Seelentröster mit kühlendem Gefäche,
stillt so die beutelnden Beschwerden

Die wahrheitsgeläuterten Gebärden
sind der reinen Seele Spiegelbild,
enthüllt
was aus des Herzen's tiefstem Brunnen quillt

In Buttermilch tauchend gebadet
erstehet fächernd des Freundes' Seele blühender Lotus
daß selbst von kunstbemühter Venus
eine Schöngeburt aufs Holdeste begnadet
dem schönen Edelsinne weichen muß

Denn des schönwüchsigen Menschen alternder Statur
verwehet gleich des Schlitten's eingegrabener Spur
im rauhen Schneesturm des wütenden Lebens
Doch des fühlenden Herzens tröstenden Strebens
darf seiner keimenden Aussaat sich erfreu'n
braucht nicht des Todes' Schatten scheu'n

Obgleich Fleisch vergeht
wie Gräserhalme abgemäht
des Freundes Geist beschwingt
und dringt
auf ewig
in des Himmel's blauen Äther

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15
:
: