Audio Interview mit Hans-Joachim Kulenkampff - März 1982

Zeitreise: Schauspieler im Gespräch | Deutsche Welle Podcast28.03.11 09:58 Uhr

Interview mit Hans-Joachim Kulenkampff - März 1982

"Es ist wahnsinnig schwer, wenn ein Mensch ins Wasser geschmissen wird" - Hans-Joachim Kulenkampff über die QuizmastertätigkeitDie ersten 30 Jahre seiner Karriere als Showmaster kommentierte er unter anderem mit den Worten: "Es ist eigentlich nur eine Leistung dabei: Sie müssen dreißig Jahre lang den Bauch einziehen und das ist nicht einfach." Doch Hans-Joachim Kulenkampff, von seinem Publikum kurz "Kuli" genannt, war nicht nur Showmaster – seine Karriere begann beim Theater, es folgten dann die ersten Filmrollen und schließlich begann auch seine große Zeit beim Fernsehen. Mit zwei Quiz-Sendungen wurde er zum Liebling des Publikums: "Wer gegen wen?" und "Einer wird gewinnen". Erfrorene Zehen Das Licht der Welt erblickte Hans-Joachim Kulenkampff am 27.4.1921 in Bremen. Trotz des Widerstandes seines Vaters, eines angesehenen Bremer Kaufmanns, begann er nach dem Abitur ein Studium an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin. Doch 1941 wurde Hans-Joachim Kulenkampff zum Wehrdienst eingezogen. Zwei Jahre hatte er bereits gedient, als ihm schließlich der Winter an der Ostfront zusetzte: wegen der Erfrierung der Zehen wurde er aus dem Dienst entlassen. So machte Hans-Joachim Kulenkampff nun endlich seinen Abschluss an der Schauspielschule, wurde aber erneut zur Wehrmacht einberufen. Diesmal endete der Dienst 1945 in britischer Gefangenschaft, aus der er aber bald entlassen wurde. Einer Karriere als Schauspieler stand nun nichts mehr im Wede, doch die Zukunft hatte mit ihm auch andere Pläne. „Einer wird gewinnen“ Zunächst folgte das erste Engagement in seiner Geburtstadt Bremen. Doch dort hielt es ihn nur bis 1947, danach wechselte er nach Frankfurt am Main in das "Kleine Theater im Zoo". Hier kamen auch schon die ersten Erfolge als Schauspieler. Doch die Schauspielerei blieb nicht sein einziges Betätigungsfeld – als Radiomoderator erwies er sich ab 1949 ebenfalls als sehr talentiert. Er fing bei Radio Frankfurt, dem Vorläufer des Hessischen Rundfunks, an, wo er unter anderem in der Quizsendung "Heiß oder kalt?" Eloquenz und Wortwitz ausspielen durfte. Und es dauerte nicht lange bis auch das Fernsehen sein Talent entdeckte. Am 29.8.53 startete auf der 18. Großen Deutschen Rundfunk-, Phono- und Fernseh-Ausstellung in Düsseldorf die Fernsehshow "Wer gegen wen?" – die Moderation wurde Hans-Joachim Kulenkampff übertragen. Und schnell stieg der schlagfertige und zugleich charmante "Kuli", wie er nun genannt wurde, zum Liebling der Fernsehgemeinde auf. Doch sein größter Erfolg sollte noch etwa 11 Jahre auf sich warten lassen. Denn am 25.1.64 war die Premiere der ARD-Show "Einer wird gewinnen" – einer Quizshow mit Kandidaten aus acht Ländern. Der Name der Sendung wurde bewusst ausgewählt, um an die EWG – die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft – anzuknüpfen. Schon während der ersten Sendung bewies Hans-Joachim Kulenkampff seine Kompetenz als Moderator. So berichtete "Der Spiegel" vom 12.2.64 in seiner kurzen Notiz über die erste Sendung von einer Frage nach dem Autor des Romans "Die Dämonen" – "Kuli" hat die Antwort "von Doderer" als falsch eingestuft – und gab die schlagfertige Argumentation Kulenkampffs wieder: "Obgleich der Quizmaster noch während der Sendung belehrt wurde, der österreichische Schriftsteller von Doderer habe gleichfalls ein 'Dämonen'-Buch geschrieben, mochte Kulenkampff seine Entscheidung nicht revidieren. Der Quizmaster: 'Dostojewski ist Weltliteratur. Da können wir die Mitteleuropa-Literatur von Doderer nicht anerkennen.'" Die Show erwies sich als großer Publikumserfolg und erreichte – mit einer zehnjährigen Pause dazwischen – eine Rekordquote von 82 Folgen. Hans-Joachim Kulenkampff stieg nun zum "Quizmoderator der Nation" auf und ging als "gnadenloser Überzieher" in die Fernsehgeschichte ein. Es sollte zugleich nicht die letzte Fernsehshow werden, die er moderierte. Film, Theater und Politik Doch Hans-Joachim Kulenkampff blieb auch seiner Vorliebe für die Theaterbühne und nicht zuletzt für die Leinwand treu. Bereits 1956 war der Schauspieler in einem Film zu sehen – in einer Nebenrolle in dem Film "Bonjour Kathrin" von Karl Anton. Es folgten weitere Kinofilme, meistens Komödien, die sich recht großer Popularität erfreuten. Auf den Theaterbühnen war Hans-Joachim Kulenkampff ebenfalls präsent. Im Laufe der Jahre spielte er in Zürich, München, Detmold und Frankfurt. Und immer wieder ging er mit verschiedenen Theaterstücken auf Tourneen. Mit dem Stück "Mögliche Begegnung" von Paul Barz über die Komponisten Bach und Händel ging Hans-Joachim Kulenkampff in den Jahren 1996 - 1997 zum letzten Mal auf Tournee. Dazwischen kamen auch Rollen in Fernsehproduktionen – so etwa in dem Film "Dr. med. Fabian" oder auch in den Serien "Käpt'n Senkstakes Abenteuer" und "Donauschiff". Unvergessen bleibt auch ein Streit des Schauspielers mit dem CDU-Generalsekretär Heiner Geißler im Jahr 1988 wegen seiner unglücklichen Äußerung, in der der Politiker mit dem NS-Propagandachef Goebbels verglichen wurde. Letztendlich wurde der Streit mit einer öffentlichen Entschuldigung Kulenkampffs beigelegt, doch er erregte die Gemüter bundesweit. Hans-Joachim Kulenkampff wurden im Laufe der Zeit zahlreiche Preise und Ehrungen zuteil. "Goldener Bambi", "Goldener Bildschirm" (fünf mal), "Telestar des WDR" sind nur einige Beispiele der Anerkennung, die er für seine Arbeit erhielt. Auch ein Stern auf dem "Boulevard der Sterne" in Berlin erinnert an den Entertainer. Hans-Joachim Kulenkampff starb am 14.8.98 in Salzburg. Im März 1982 sprach DW-Mitarbeiter Gernot Raue mit Hans-Joachim Kulenkampff unter anderem über den Erfolg der Sendung "Einer wird gewinnen" und seine Theatertätigkeit. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Diana Redlich
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