Auf dem Weg zur hypersensiblen Gesellschaft?

Auf dem Weg zur hypersensiblen Gesellschaft?

Eine Welle der Empfindlichkeit hat unsere Gesellschaft erfasst. Menschen fühlen sich offenbar aus kleinstem Anlass beleidigt. Empfindsamkeit mag eine Tugend sein – doch sind wir heute zu empfindlich?
59 Minuten
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2 months ago
Eine Welle der Empfindlichkeit hat unsere Gesellschaft erfasst.
Menschen fühlen sich offenbar aus kleinstem Anlass beleidigt.
Empfindsamkeit mag eine Tugend sein – doch sind wir heute zu
empfindlich? Menschen sind verletzliche Wesen. Für diese
Verletzlichkeit sensibel zu werden, ist deshalb sicherlich ein
moralischer Fortschritt. Die Me-Too- und
Black-Lives-Matter-Bewegungen gingen in den letzten Jahren mit
einem weiteren Sensibilitätsschub einher. Seither herrscht
Verunsicherung. Ist die Frage «Wo kommst du her?» kruder Rassismus
oder nur eine harmlose Erkundigung? Wo fängt Sexismus an: Erst beim
Griff an den Hintern, oder bereits beim Gebrauch des generischen
Maskulinums? Klar ist: Die Grenzen des Zumutbaren werden gerade neu
vermessen. Nicht allen will das einleuchten, einige fühlen sich
gegängelt. Für sie mangelt es gegenwärtig in erster Linie an
Resilienz und Widerstandskraft. Hatte Nietzsche nicht recht, als er
schrieb: «Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!» Auf der
anderen Seite stellt sich die Frage: Setzen wir mit diesem
Imperativ nicht unsere Verletzlichkeit und letztlich Menschlichkeit
aufs Spiel? Am Philosophischen Stammtisch diskutieren Barbara
Bleisch und Wolfram Eilenberger mit der Philosophin Svenja
Flasspöhler, Autorin des soeben erschienenen Buches «Sensibel», und
dem Philosophen Dominique Künzle, der sich unter anderem als
Feminist bezeichnet.
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