Deutsche Welle - Quadriga: Der internationale Talk 27.08.10 19:30 Uhr
Video Quadriga: Der internationale Talk
Abzug der Amerikaner – Machtvakuum im Irak Nach mehr als sieben Jahren ist jetzt Schluss: Die amerikanischen Kampftruppen verlassen den Irak. Ab jetzt gilt : Die Sicherheit des Landes liegt in den Händen der irakischen Soldaten und Polizisten. Doch selbst der oberste General der Iraker traut das seiner Armee nicht zu. Und ausländische Beobachter stellen auch der Polizei kein gutes Zeugnis aus: Jeder fünfte Polizist könne weder lesen noch schreiben. Korruption und Unzuverlässigkeit seien Alltag.
Das Leben der Bevölkerung ist bestimmt von Anschlägen, Kidnapping und Gewalt. Der Krieg hat das Land ruiniert. Der Wiederaufbau stagniert.
Auch die politischen Eliten versagen. Seit den Wahlen im März dieses Jahres ist es den beiden stärksten Parteien nicht gelungen, eine Regierung zu bilden. Die Gespräche gelten als endgültig gescheitert.
Die Amerikaner sind weg. Jetzt geht der Kampf um den Einfluss in der Region los. Die Iraker scheinen dabei nur Zuschauer zu sein. Die beiden regionalen Großmächte, Türkei und Iran, bringen sich in Position. Die Türkei will den amerikanischen Kurs fortsetzen. Doch dem Iran liegt nichts an einem stabilen Irak. Wer auch immer das Machtvakuum füllen wird: Er wird nicht nur großen Einfluss auf das Schicksal des Irak haben, sondern auch auf das Machtgleichgewicht in der gesamten Region.
Die Gäste der Sendung waren:
Richard Herzinger – Der in Frankfurt / Main geborene Literaturwissenschaftler, Journalist und Publizist ist derzeit politischer Redakteur der "Welt am Sonntag" und schreibt auch für die "Welt". Davor war er Redakteur und Autor für die "Zeit" und zuletzt Deutschlandredakteur der Zürcher Weltwoche. Außerdem schrieb er Artikel für die "Neue Zürcher Zeitung", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", den "Tagesspiegel", den "Merkur" und "Jungle World".
Walther Stützle – Auf der Insel Sylt aufgewachsen geht er nach seinem Studium als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das International Institute for Strategic Studies in London und wird später dann Direktor des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI). Seine politische Karriere beginnt er als persönlicher Referent und Leiter des Ministerbüros des damaligen Verteidigungsministers Leber. Nach der Wende geht er als Korrespondent zur Stuttgarter Zeitung und wird später Chefredakteur des Tagesspiegel. Von 1998 bis 2002 ist er als Staatssekretär im Verteidigungsministerium tätig. Heute engagiert er sich in einer Institution für transatlantische strategische Beziehungen und verfasst Bücher.
Hasan Hussain – Nach seiner Ausbildung im Irak kommt der Journalist 1974 nach Deutschland und berichtet von hier aus über europäische Politik. Heute arbeitet er für arabische Medien wie auch für Deutsche Zeitungen und Radioprogramme.
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